Affirmationen und ihre Fallgruben

Mitte der 1970iger Jahre haben die mit der Entwicklung von Computern befassten Ingenieure entschieden, den Speicherbereich von Daten und Programmen strikt getrennt zu halten. Dafür gab es eine ganze Reihe von guten Gründen. Einer davon war, dass es Computern so nicht möglich wurde sich selbst modifizierende Programme zu schreiben. Solche Programme empfanden die Ingenieure damals wie heute als Affront gegen ihre Intelligenz. Bis heute haben nur Computerviren diese Eigenschaften behalten und welche Probleme die uns machen weiß fast jeder.

Unser Gehirn jedoch - und das in den damaligen Ingenieuren ebenfalls vorhandene - arbeitet nicht wie ein heutiger Computer.

Es trennt nur sehr grob zwischen Programm- und Dateninformation. Es kennt im Grunde nur Information und die ist programmierend. Was bedeutet das für uns, deren Persönlichkeit in der Zellmasse zwischen den Ohren angesiedelt ist?

Es bedeutet, das die von uns aufgenommenen Informationen, die Daten, einen programmierenden Effekt auf das Gehirn haben. Da ein tieferes Eindringen in die physiologischen Abläufe diesen Textrahmen sprengen würde, hier ein drastisches Beispiel: 

Als Kind hast du dir einmal die Finger verbrannt, weil du zu lange eine heiße Tasse, den Ofen oder eine Kerzenflamme berührt hast. Du kannst das heute bewusst nicht mehr tun. Dein Gehirn hat aus den Daten: Situation, Handlung, Schmerz, Reflexion ein Programm entwickelt, was dich heute "unwillkürlich" steuert. Du lässt die zu heiße Tasse fallen und zuckst von Ofen und Kerzenflamme weg, sobald die Empfindung ein bestimmtes "Schmerz-Niveau" erreicht hat. Ohne eine starke Konzentration liegt es seitdem nicht mehr in deiner bewussten Entscheidung dir selbst auf diese Art Schmerzen zuzufügen.

 

Die allermeisten unserer Daten sind jedoch kein Schmerz. Es sind visuelle und auditive Reize: Bilder, Filme, Töne, Musik und Sprache. Diese Daten prasseln von jeher auf das Gehirn ein und haben, zusammen mit den Übrigen, das neuronale Netz erschaffen, dass wir jetzt unser Gehirn nennen. Dieses Erschaffen hat auf genau dieselbe Art und Weise stattgefunden, wie die Erstellung des Schutzprogramms vor Verbrennungen. Auf den ersten Blick erscheint das eine sehr nützliche Vorgangsweise zu sein, aber sie hat tückische Auswirkungen.

Was ich im Folgenden schreibe, gilt für alle "Daten", die im Gehirn verarbeitet werden. Ich picke mir jedoch nur die Sprache heraus, weil es hier zu den schwerwiegendsten Folgen kommt. Alle auditiven Reize, das was wir hören, werden vom Hörzentrum analysiert und den anderen Gehirnteilen verfügbar gemacht. In diesem Prozess werden vergangene Erfahrungen mit dem Aktuellen verglichen und entschieden, ob und welche Reaktionen darauf erfolgen müssen. Nur so ist es uns möglich mit den Doppeldeutigkeiten der Sprache umzugehen. Ein Beispiel: Wir sorgen für unsere Familie und besorgen das Nötige. Wir machen uns Sorgen um die Zukunft und versorgen die Katze mit Futter.

Die Bedeutung des Wortes "sorgen" erhält seine Bedeutung nur durch den Kontext der Aussage. Der Kontext der Aussage wird jedoch nicht nur durch die Wörter des Satzes definiert, sondern auch durch die Erfahrung ähnlicher Kontexte in unserem Erfahrungsspeicher. Sich sorgen, Sorgen machen, besorgt sein ist etwas, dass jeder an sich selbst oder an anderen tausendfach erfahren hat. Diese Erfahrungen sind alle über die Kontextverbindungen miteinander verknüpft.

Es ist ein undurchdringliches Gewurschtel. 

 

Teste dich selbst: Was fällt dir als Erstes zu dem Wort "kümmern" ein?

Dieser erste Gedanke definiert den Kontext mit der du auf jedes Wort "kümmern" reagierst. 

Auch dann, wenn du sagst: "Ich kümmere mich um meine Katze". Hier bist du jedoch nicht ernsthaft bekümmert, oder? 

Aber Kummer, Verkümmern, absterben, sich nicht entfalten können etc pp  sind alle damit verbunden. Davon bekommst du nur nichts mit und deshalb wunderst du dich, wenn eine Affirmation wie "Ich kümmere mich um mein Wohlergehen" nicht funktioniert. Warum müsste dir jetzt schon klar sein. Du bist der Erste, der deine Worte hört und auch der Erste, der deine Gedanken, Gefühle und Intuitionen wahrnimmt und damit auch der Erste, der eine Reflexion darüber macht. Das ist dein Gehirn, dein Computer zwischen den Ohren! Die Reflexion bestimmt welcher Kontext für das Wahrgenommene herangezogen wird. Sollte es so sein, dass der Kummer-Aspekt in diesem Beispiel bei dir überwiegt, so wird die dauernde Wiederholung von "Ich kümmere mich um mein Wohlergehen" dazu führen, dass dein Wohlergehen verkümmert. Erst wenn du ganz klar stellst, was das Wort "kümmern" für dich in dieser Aussage bedeutet, kannst du sicher sein, dass die Reprogrammierung in deinem neuronalen Netz auch die Realität hervorbringt, die du beabsichtigst.

 

Das ist nun ein sehr einfaches Beispiel und es ist auch nicht so, das per se jedes Wort eine nachteilige Wirkung hat. Es ist aber so, dass wir alle genug Fehlinterpretationen unserer Wahrnehmung in uns haben, dass der Umgang mit Affirmationen zur Selbstprogrammierung geübt sein will. Wir müssen uns klar machen, dass wir nur einen winzigen Bruchteil der Gehirntätigkeit bewusst erfahren. Der größte Teil erfolgt ohne unser Wissen - also unbewusst. Kontextinformationen, die sich an Worte heften sind aber ganzheitlich. Sie enthalten ALLE Informationen, die in den jeweiligen Kontext gehören, egal ob wir das bewusst mitbekommen oder nicht. Je feiner deine Bewusstheit wird, desto mehr wird dir die Doppeldeutigkeit in deiner Sprache bewusst, desto besser kannst du mit Affirmationen umgehen. Noch ein letztes Beispiel. Was denkst du jetzt über die Affirmation: "Das Universum sorgt sich um  alles was ich benötige" ?

Bevor du also anfängst irgendwelche wohlklingenden Affirmationen zu wiederholen, schau dir jedes Wort einzeln an und finde den Kontext, den das Wort in dir hervorruft. Du brauchst nicht in die Tiefe zu bohren und den Kontext zu ändern, aber du musst die Bedeutung des Wortes, die du ihm beimisst, vor der Affirmation deklarieren. So wird die Umdeutung in deinem Sinne Teil der Affirmation. Da ist nichts magisches dran. Jeder Hyperlink im Internet macht das: Aufgrund eines Schlüsselbegriffs einen Kontext hervorrufen. Sei dir sicher deine Hyperlinks rufen den Kontext auf, der zu deiner Absicht passt. Das ist alles.

 

alles liebe

Joan

 

weitere Informationen dazu findest du auch in den Teachings bei "eine einfache Methode"