Mensch sein


 Wisse, alle Dinge sind wie Luftspiegelungen,Wolkenschlösser oder Träume:

Erscheinungen ohne Substanz, aber mit wahrnehmbaren Eigenschaften. Wisse, alle Dinge sind wie der Mond, der im Wasser des Sees zu sehen ist, obwohl er im See nicht zu finden ist. Wisse, alle Dinge sind wie ein Nachhall von Musik und Klängen, doch in dem Nachhall ist keine Musik und kein Klang.

Wisse, alle Dinge sind wie die Bilder eines Zauberers, der Pferde, Ochsen, Karren und andere Dinge erschafft, doch nichts davon ist das, was es zu sein scheint.

(Joan, adaptiert aus einer unbekannten Quelle)

 

 

Doch wenn alles, was wir erfahren, wahrnehmen und denken nur Schall und Rauch ist, eine göttliche Komödie, wie Dante es formulierte, was in aller Welt ist dann noch von Substanz oder objektiv vorhanden? Was ist denn dann noch "wirklich echt" und was soll diese "Wirklichkeit" denn nun sein?

In den letzten Jahrzehnten haben viele fähige Köpfe daran gearbeitet diese Wirklichkeit zu erfassen und in ein süffiges Modell zu gießen. Doch das ist nicht gelungen. Die Grundlage dessen, was wir als "Wahrnehmung" und "Denken" bezeichnen entzieht sich immer wieder dem lüsternen Forscherblick. Zum einen liegt das an dem weit verbreiteten Irrglauben, dass es etwas Objektives geben muss, also "das Objekt an sich". Immanuel Kant mag mir verzeihen, aber diese philosophische Erfindung ist ein Irrtum, der keiner quantenphysikalischen Erkenntnis standhalten kann. Das "Ding an sich" gibt es nicht und damit auch keine Objektivität. Da können wir noch so lange suchen. Selbst die "reine Leere", The Void oder das Nichts, wie es in einigen philosophischen Meditationsschulen genannt wird, ist nicht objektiv. Der Grund dafür ist so einfach, dass es schon fast lächerlich klingt: Um einen Gedanken, ein Gefühl oder eine Wahrnehmung zu haben, bedarf es eines (in unserer Sprache) Subjektes. Eines Jemand, der das aktiv tut. Diesen Jemand nennen wir Mensch und meinen damit diese überaus komplexe, unfassbare, sich ins Unendliche aufgliedernde Informationsmuster - Du und Ich! 

Überrascht?

Nicht wirklich oder?

Du und ich und ALLES, was wir denken, erfahren und wahrnehmen ist ein Informationsmuster unvorstellbarer Komplexität. Allein wir sind in der Lage durch Verlagerung unseres Aufmerksamkeitsfokus, diese Komplexität zu erfassen. Jedoch nicht im Ganzen, sondern nur in dem eng umgrenzten Bereich dessen, was wir "unser Bewusstsein" bzw. "unser Wissen" nennen. Selbst darin sind es immer nur kleine Teile: Entweder wir sehen in die Mikrowelt, mit ihren Wundern im atomaren Bereich und kleiner oder in den Makrobereich, mit den Molekülen, Viren, Bakterien, Zellen und den sich daraus ergebenden Lebewesen oder wir betreten den Bereich des Kosmos, mit Planeten, Sonnen, Galaxien und Universen. Immer und unverrückbar bleiben wir im Mittelpunkt dieser Wahrnehmung. Vollkommen egal wohin wir den Aufmerksamkeitsfokus verlagern. 

 

So komme ich zu dem überaus dreisten Schluss, das der Mensch selbst die Wirklichkeit ist, die er wahrnimmt.

Diese Wirklichkeit begrenzt sich durch die Informationen, die der Aufmerksamkeit verbieten bestimmte "Orte" bzw. "Sichten" einzunehmen. Es sind in der Regel evolutionär eingeübte Informationen wie zB. "der Mensch kann nicht fliegen" oder "der Mensch kann nicht heilen", aber auch durch gesellschaftliche Übung eingefleischte Regeln oder religiös indoktrinierte Ansichten. Das sind die Begrenzungen, die dazu führen dass wir uns mit dem Status Quo abfinden, denn der Status Quo ist der Ort des geringsten Ungemach im Kontext der subjektiven Begrenzungen. Möglicherweise wird es keinen zweiten Menschen geben, der deinen Status Quo nachvollziehen kann, trotzdem ist er real. Er ist wirklich, auch wenn dir die Gurus dieser Welt weiß machen wollen, dass dein Status Quo eine illusionäre Schimäre eines narzistischen Selbstbildnisses namens EGO ist. 

Nun das EGO ist wirklich. Es ist das, was sich aus dem Kontext deiner mentalen Grenzen (deines Informationsnetzes) ergibt. Genauso wie dein Leben, deine Welt und dein Alltag. Allein wir selbst sind dafür verantwortlich.

 

Ich möchte den Eindruck vermeiden, dass der Mensch an seine Informationsstruktur, die er ja nur zu einem geringen Teil erkennen kann, auf immer gefesselt ist. Dem ist nicht so, aber es bedarf einer Veränderung des Status Quo. Das jedoch ist unbequem bis schmerzlich und daher nicht besonders beliebt. Und wenn wir ehrlich sind, dann ist jeder Schritt auf dem Weg der Demontage eigener Grenzen ein mit Wucht geführter und genau gezielter Schlag in die Magengrube des EGO. Wir würden so gerne die ultimative Freiheit eines agierenden Gottes erlangen, jedoch ist jeder Schritt in die Verwirklichung dieses egozentrischen Wahnbildes gleichzeitig ein Schritt zur Zerstörung eben jenes EGOS. Damit wird Existenzangst zum Begleiter auf dem Weg und vergällt einem die Lebensfreude. Die große Menge an marketing-technisch ausgfeilten Glücksverheißern beziehen heute ihre wirtschaftliche Lebensberechtigung aus diesem Umstand.

Doch wenn der Mensch seine eigene Wirklichkeit ist, in der all sein philosophisches, religiöses und wissenschaftliches Wissen seinen Platz hat, wieso sollte er es nicht schaffen, alles unter einen Hut zu bringen?

Warum überhaupt sollte er unterscheiden oder sich an etwas halten? Warum darf er nicht seine eingeborene Kreativität nehmen und sein Leben damit gestalten? Den orangenen Himmel, singende Schmetterlinge, transzendente Katzen und marschierende Spielkarten als seine Realität erschaffen. Warum? Alice im Wunderland konnte es jedenfalls und alle anderen glauben, dass dies eben nur eine Geschichte ist. Geboren im Kopf eines Schriftstellers. Eines Menschen. 

Mir kommt das im Hinblick auf die Aussagen unserer Quantenphysiker heute als unhaltbar naive Einstellung vor, denn unser Alltag, die Realität selbst, ist ja auch nichts anderes, als eine in unserem Kopf geborene Geschichte.

Sehen wir also zu, dass wir die Fähigkeiten entdecken und neu erlernen, die wir zu einem erfüllten Leben brauchen. Hören wir auf uns in religiös-philosophischen Diskursen zu ergehen. Telepathie IST so eine Fähigkeit und auch in erreichbarer Nähe, ebenso Telekinese, Heilung, Hellsichtigkeit und Gnade. Wir sind nur durch unsere Überzeugung und dem Unwillen an dieser Begrenzung etwas zu ändern,davon getrennt.

 

Es ist heute bereits wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir in einer intelligenten Energie baden, die wir als leeren Raum erfahren. Diese Energie durchdringt alles. Sie ist unsere "innerste Substanz". Das soll bedeuten, dass wir es heute nicht genauer wissen können. Es ist der Geist, der wir sind und den wir in myriadenfacher Kompression als das Universum erfahren, in dem wir leben. Deshalb reagiert diese Energie auf unser Fühlen, Denken und Glauben - und dieser Gedanke verliert seine Ungeheuerlichkeit, wenn uns klar wird, dass wir das selbst sind.

 

Das ist die Revolution, die alles verändert. Seit Descartes und Newton sind wir von falschen Annahmen und unvollständigen Fakten ausgegangen. Es  wird Zeit dies zu ändern, denn wir sind keine unbedeutenden Rädchen im großen Getriebe der Weltenmaschine, sondern deren Erbauer. Das müssen wir akzeptieren. Nur dann erreichen wir die phantastischen Gefilde geistiger Entwicklung, die es uns ermöglichen mit den konkreten Problemen unserer Welt richtig umzugehen.
Dazu müssen wir uns etwas "verrücken", den Komfort-Zustand verlassen und uns aufs Spiel setzen. 

 

Das ist gar nicht so schwer, aber es erfordert eine bewusste Entscheidung. Eine Entscheidung sich rückhaltlos des alten Paradigmas zu entledigen. Alles nur als eine Möglichkeit anzusehen, der man eine Bevorzugung gegeben hat und dann die Bereitschaft entwickeln diese Bevorzugung neu zu bewerten. Das ist kein leichter Weg. Auf der Wagschale des Osiris liegt dabei das ganze Informationsnetz unseres Wissens und Glaubens und Osiris's Entscheidung ist ungewiss. 

Kann ich denn den neuen Informationen mehr glauben? 

Baut sich nicht ein neues falsches Informationsnetzwerk auf? 

 

Osiris wiegt das Herz eines jeden Menschen und schickt jene in die Welt zurück, die ein zu schweres Herz haben. Ein Herz, das noch an den Verstrickungen der Welt hängt wiegt zu schwer, als dass es aufsteigen darf. So werden jene aufgefordert in die Welt zurückzukehren, damit sie sich von ihren Illusionen befreien können. Die anderen, die mit einem leichten Herzen, steigen zur Sonne auf, dem Symbol des ewigen Lichts und des ewigen Lebens.

Osiris, so wie alle Götter oder übermenschlichen Wesen, sind Symbole unseres menschlichen Geistes. Objekte mit Funktionen, denen wir diese Funktion zugesprochen haben. Es gibt viele solcher Objekte in unserem Bewusstsein, die darüber wachen, dass unser EGO in seinem Status Quo bleiben kann. Es gibt aber auch den Menschen, der sein eigenes Bewusstsein transzendierend, diese Objekte entmachten kann. 

Wie? 

Die Frage stellst du nicht wirklich, oder?

 

alles liebe

Joan