Leeres Bewusstsein und Spiegelung

Leeres Bewusstsein und Spiegelung

Was ich dir jetzt nahe bringen möchte ist nicht einfach zu verstehen, doch ich bin sicher etwas in dir versteht trotzdem.

Ein leeres Bewusstsein entsteht meistens durch einen Akt der Gnade. Sicherlich ist es möglich gute Voraussetzungen für das Entstehen eines leeren Bewusstseins zu schaffen, aber trotzdem liegt es nicht in der Macht des menschlichen Willens den Zustand "leeres Bewusstsein" herzustellen. Jeder Versuch in diese Richtung scheitert und bringt nur ein zwanghaftes Denksystem zum Vorschein. Menschen, die diese Gnade erfahren haben sind mitten unter uns. Sie entstammen nicht immer einer spirituellen Schulung, sondern können einfach unerwartet unseren Weg kreuzen. Solche Menschen sind daran zu erkennen, dass sie kaum noch an sich denken und ihre ganze Kraft ist auf das Dienen ausgerichtet. Das bedeutet nicht, dass sie immer lieb und nett sind, aber ihre Grundmotivation liegt nicht im Erreichen eigener Vorteile.

In diesen Menschen herrscht ein leeres Bewusstsein vor. Das ist natürlich eine Metapher, denn sie denken genauso wie du und ich, aber sie tun es nur in dem Moment, indem es erforderlich ist. Der übliche Zustand ihres Bewusstseins ist "leer", das heißt komplett frei von Gedanken, Bildern und Empfindungen. Erst wenn solch eine Bewusstsein aktiviert zb. angesprochen wird, entstehen wieder Gedanken und es reagiert. Diese Reaktion ist jedoch eine klare Resonanz auf den Menschen oder die Situation, die es aktiviert hat. Stellt man solch einem Menschen eine Frage, antwortet er offensichtlich ganz normale Dinge. Schaut man sich diese Antworten genau an, sind es Resonanzen auf in der Frage mitschwingende Überzeugungen des Fragenden, deren der sich gar nicht bewusst ist. Das nennt man auch ein spiegelndes Bewusstsein. Es ist so klar, dass sich darin nur das reflektiert, was hineingegeben wird. Hier gibt es allerdings eine große Bandbreite an Klarheit und je mehr restliche Inhalte darin verborgen sind, desto verzerrter wird die Spiegelung. Das führt dazu, dass die Spiegelungen oft unerkennbar bleiben. Spricht  ein "normales" Bewusstsein so ein klares Bewusstsein an, so kann es ebenso oft nicht erkennen, dass die Antworten, ja die ganze Situation des Gesprächs, einzig und allein vom ungeklärten, normalen Bewusstsein bestimmt wird. Dies erkennt es jedoch nicht und hält irrtümlich die gegebene Antwort für die Meinung des Antwortgebenden. Es projiziert seinen eigenen Zustand auf das klare Bewusstsein und geht so seiner eigenen Illusion auf den Leim. Vielleicht bemerkte deswegen Laotse einst:

"Der Sprechende mag ein Narr sein. Hauptsache der Zuhörer ist weise!"

Gehen also die Spiegelfähigkeiten zweier Menschen zu weit auseinander, können sie sich nicht mehr verständigen und in der Folge werden sie sich voneinander entfernen. Selbst in einer Schüler/Lehrer Situation kann das dazu führen, dass der Schüler seinen Lehrer nicht mehr annehmen kann und ihn verurteilt. Das jedoch ist nicht der Fehler des Lehrers.

alles liebe

Joan