Am Anfang ist nur Liebe

1. April 2018

In den letzten 15 Jahren habe ich viel über die Beziehung zwischen dem, was wir wahrnehmen und dem Bewusstsein geschrieben. Ausgehend von christlicher Theologie, Zen Buddhismus und Advaita habe ich mich in diese Themen bis tief in die Quantenphysik hinein verstrickt. Ich war und bin, fasziniert von der westlichen Religion, den Erkenntnissen der Wissenschaften. Trotz aller verbliebener Unverständlichkeiten und Widersprüche.

Ich bin heute nicht mehr der Meinung, dass wir nur solche Fähigkeiten entwickeln und solche Erkenntnisse haben können, die wir in aller Tiefe verstehen. Nur das Tamagotchi sieht das als eine Wahrheit an, denn es gibt ihm Sicherheit. Deshalb hat es ja die ganzen Wissenschaften entwickelt. Auch die Quanten-Physik, die Psychotherapie und die Philosophie. Eben alles. Das Bewusstsein des Tamagotchis ist der Schöpfer der objektiven Wissenschaften; des Rationalen und Verstehbaren, und wenn es nicht versteht, dann forscht es so lange, bis es das tut. Es merkt dabei gar nicht, dass es mit dem Forschen seine eigenen Ideen und Ansichten verifiziert und manifestiert. Es merkt nicht, dass es nur ein Spiel von Energie ist, das Objektivität durch Mehrheiten erzeugt: Ist ein Experiment verifizierbar, d.h. von vielen Forschern mit gleichem Ergebnis wiederholbar, dann ist es wahr. Zumindest so lange, bis es durch eine andere Menge von Forschern widerlegt wird. Das Tamagotchi ist darin sehr perfekt und ich bin auch für eine Weile darauf hereingefallen. All die geistigen Gesetze, die universalen Konstanten, Dimensionen und Relativitäten, die Religionen und Philosophien, Kosmologie - alles Tamagotchi Werk. Wahrlich eine gewaltige und ehrenwerte Leistung und doch so vergänglich.

 

Hätten wir nicht unsere Methoden zur Informations-Konservierung, wie Bücher, Filme und Digitalspeicher entwickelt, blieben all die menschlichen Erkenntnisse flüchtig und auf einige wenige geniale Menschen beschränkt. Wäre die Schrift nicht entwickelt worden und hätte Johannes Gutenberg nicht 1450 den Buchdruck erfunden, dann würden wir heute unter anderen Bedingungen leben. Dem Tamagotchi wäre es nicht möglich die Informationsmengen zu horten, über die es heute verfügt. Es hat über die Jahrtausende Informationen gehamstert, die es nun eifersüchtig bewacht. Das erinnert mich ein wenig an das Eichhörnchen in dem Film Ice Age, dem nichts wichtiger als seine Eichel ist und das auf alle Kollateralauswirkungen pfeift. 

 

Solange wir mit dem Tamagotchi identifiziert sind, blicken wir als Angehörige der Menschheit mit Stolz auf diese Leistung. Wir verweisen mit erhobenem Haupt auf all die Erkenntnisse und unser Wissen über die Welt und das Universum. Und das ist auch gut so! Das menschliche Bewusstsein ist ja aus diesem Grunde geschaffen worden: 

 

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

Mose 1.1.28

 

Es war nötig zu lernen, wie sich ein freies System entwickelt, in dem es Selbstbewusstsein, Egoismus, Narzissmus, aber auch Mitgefühl und Freundschaft genauso wie Gier, Macht, Gewalt und Liebe gibt. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist das System des menschlichen Bewusstseins, wie wir es heute als Universum erleben können. Es ist die Welt, die das Tamagotchi für sich geschaffen hat. Aus dem Satz von Mose lässt sich aber auch ableiten, dass menschliches Bewusstsein nicht das einzige existierende Bewusstsein ist. Tiere und Pflanzen haben ein eigenes Bewusstsein. Eines, das wir nicht oder nur ganz schwach, verstehen können. Wir können auch nicht behaupten, dass Tiere und Pflanzen dem menschlichen Bewusstsein entspringen, denn es sind ganz andere Gattungen. Das Wort »Gatte« bedeutet »gleichwertiger Partner« und so stehen alle nicht menschlichen Bewusstseinsarten auf der gleichen Stufe mit uns. Es ist bis heute nur wenigen Auserwählten vorbehalten, die Gattungsschranken zu überwinden und eine Kommunikation mit der anderen Spezies aufzubauen. Allen anderen bleibt deshalb nur, den Schamanen und Befähigten zu vertrauen und anzuerkennen, dass sie etwas Außergewöhnliches können. Ich sage das hier, weil diese Fähigkeit beweist, dass es grundsätzlich möglich ist, diese Bewusstseinsschranken zu überwinden.

 

Wir sollten es uns in unserem rationalen Denken nicht anmaßen, die Schöpfer von »Bewusstsein« zu sein. Wir haben keine Ahnung, wie viel Bewusstsein es allein in dem Universum gibt, das wir wahrnehmen können. Ja wir haben nicht einmal eine vage Idee davon, wie Bewusstsein entsteht. Alles was wir wissen, ist, das Bewusstsein eine lebende Informationsstruktur ist, die die lebendige Welt inklusive uns selbst als Tamagotchi hervorbringt. Ob diese Hervorbringung »materiell« oder »traumartig« ist, brauchen wir jetzt nicht zu beachten. Wichtig ist, das Bewusstsein die Grundlage dessen ist, was wir als Welt erfahren. Die Welt ist also ein Spiegel des Bewusstseins oder anders gesagt, ein erkennbares Symptom des Bewusstseins. Jeder, der schon einmal eine tiefe Bewusstlosigkeit oder ein Koma erlebt hat, weiß, dass er in dieser Zeit nichts, oder etwas völlig anderes erlebt hat. Seine Synchronisierung mit der menschlichen Welt ist nur durch die Berichterstattung anderer Menschen möglich. Der Betroffene selbst hat für diesen Zeitraum keine oder eine andere Welt erlebt. 

 

Das Bewusstsein ist also etwas, das man an und abschalten kann. Man kann es haben oder auch nicht. Üblicherweise spreche ich von meinem Bewusstsein. Das impliziert, dass ich weiß, dass ich es habe. Wenn ich aber etwas haben kann, dann muss es von mir getrennt sein, denn sonst würde ich es ja sein. Dass ich Bewusstsein bin, ist also eine Erkenntnis des Tamagotchis und daher fürchtet es den bewusstlosen Zustand. Doch was ist mit jenem Wesen, dass sagen kann: »Ich habe Bewusstsein!« und das weiter existiert, wenn das Bewusstsein ausgeschaltet ist und als Tamagotchi neu erscheint, wenn das Bewusstsein wiederkommt? 

 

Nun, da ist kein Wesen! Da ist nur eine Gesamtheit aller möglichen Informationen, in die sich das Bewusst-Sein auflöst und aus dem es wieder hervorkommt. Diese Gesamtheit aller Informationen nenne ich der einfachheitshalber »Geist« oder »Gott«. Dieser Geist bringt Bewusstsein hervor.  Geist drückt sich durch Bewusstsein aus, ist aber jenseits aller Vorstellbarkeit. Geist hat weder Absichten noch Ziele. Geist ist einfach nur. Wenn wir darüber nachdenken, dann stellt sich Geist für uns als »interdimensional« dar, existiert also zwischen den Dimensionen. Dimensionen sind Schöpfungen des Bewusstseins und in diesem Sinne wäre Geist »Null-dimensional«. Er ist der Kern, das Zentrum, um dass sich alles entwickelt. Doch, obwohl dieser Kern des Bewusstseins nicht gedanklich zu erfassen ist, kann seine Anwesenheit erfahren werden. Dem Bewusstsein stellt sich der Geist als Leere dar aus der augenscheinlich alle Fülle kommt. Es ist die Quelle aller Informationen und eine abgrundtiefe schwarze Leere. Aber das sind alles nur Interpretationen eines erfahrenden Bewusstseins. Der Geist selbst bleibt dadurch unberührt. Nur seine Informationen verdampfen in das wahrnehmende Bewusstsein. Auch eine abgrundtiefe schwarze Leere ist nämlich eine Information. Bewusstsein kann Geist nicht anders erfahren als durch Information. Dieser Vorgang des Verströmens von Information in das empfindende Bewusstsein ist die erste und einzige Bewegung. Egal welche Information ins Bewusstsein eintritt, sie wechselt aus dem allgemeinen, ursprünglichen Geist, in einen konkreten, wahr gewordenen Zustand über. Diese Transformation ist Liebe. Es ist das Qi, die Lebenskraft, die alles in Bewegung hält. Ohne diese Transformation des Potentiellen in das Konkrete, gäbe es keine Schöpfung. Es gäbe gar nichts, auch nicht mich, der das schreibt und nicht dich, der das liest. Nicht einmal Leere. 

 

Es spielt daher keine Rolle, wie tief wir mit unserem Verstand in diese Geheimnisse eindringen. Es ist immer »Liebe«, die uns begegnet. Sie ist die »Fleisch gewordene Information«, das Alles-Was-Ist. Liebe ist das, was wir vom »Geist«, Brahma, Gott, Allah, Manitou, Jawe wahrnehmen können. Die Liebe ermöglicht uns, zu sein. Sie ermöglicht überhaupt erst Bewusstsein und sie entsteht im Kern, im Ursprung von Allem-Was-Ist. Aber es gibt keinen Fluss der Liebe, der von irgendwoher kommt und irgendwohin geht. Zeit und Raum sind Dimensionen, die vom wahrnehmenden Bewusstsein erschaffen werden, das selbst Liebe ist. Information, Liebe und Bewusstsein sind die drei untrennbaren Aspekte des Geistes. 

Für den Verstand gibt es dafür jede Menge Erklärungen in seiner Quantenphysik. Doch er stellt noch nicht die richtigen Fragen. Die Theorie des erst kürzlich verstorbenen Physikers Dr. Steven Hawkins von der Strahlung schwarzer Löcher, kann ein anschauliches Modell liefern,  wie Informationspaare aus dem potentiellen Zustand in den konkreten Zustand transformieren. Doch wir müssen nicht alles verstehen. Wir haben ein »Organ«, mit dem wir Liebe direkt wahrnehmen und umsetzen können. Es ist unser Herz. Mit der Herzweisheit können wir erfahren, dass wir die konkreten Spiegelbilder des schöpferischen Geistes sind. Wir können begreifen, dass uns nur die Programmierung unseres Bewusstseins bisher davon abgehalten hat, ein Abbild dieses Schöpfer-Kerns zu werden.

Das ist durch allmähliches Ablegen, der vom Verstand angesammelten Überzeugungen möglich. Wenn wir auf unser Herz hören, dann wissen wir sofort, was richtig und falsch ist, was wir tun oder lassen sollten. Wenn wir dann auch noch den Mut aufbringen, dem Herzen zu folgen und zu tun, was wir fühlen, dann haben wir einen evolutionären Quantensprung gemacht, der die Zukunft verändert.

Das Herz weiß das schon lange, aber es ist zu liebend, als dass es dem Verstand Vorschriften machen würde. Es wartet ab, bis der Verstand von selbst drauf kommt und seine Verliebtheit in Wahrheit und Wirklichkeit aufgibt.

Es ist, wie es ist, sagt die Liebe und das ist eines der größten und einfachsten Geheimnisse der Welt.

Alles Liebe

Hans