Ohnmacht - die eigene Infiltration

Ohnmacht - die eigene Infiltration

 

Das klingt zunächst reichlich überheblich. Wie kann der Mensch so mächtig sein um auf universaler Ebene etwas zu verändern. Es erhebt sich hier aber die Frage: "Was erlebt der Mensch als Universum?" Auf den ersten Blick erscheint die Welt, das Universum als ein unvorstellbar großes Etwas, das sich aus immer kleineren Dingen zusammensetzt. Es reicht von Galaxien, über Sternensysteme zu Sternen und Planeten, zu Gebirgen und Meeren, zu Steinen und Schneeflocken, zu Menschen, Tieren und Pflanzen, über Organe und Zellen zu Molekülen und Atomen und über die subatomaren Energien bis hinunter zu einer Ebene ewiger Bewegung, den wir "Quantenbereich" nennen.

Das ist eine eine wahrhaft gigantische Größenskala, die sich genau so riesig in die Dimension der Mengen und Anzahlen erstreckt. Aber all diese Betrachtungen erfolgen mit einer Konstante:  Der menschlichen  Wahrnehmung, wie sie sich im neuronalen Netz seines Gehirns abspielt. In diesem menschlichen Organ läuft die gesamte Universalität zusammen. Die menschliche Wahrnehmung ist die unabänderliche Konstante, die das von ihm erfahrene Universum aufrecht erhält. Wohin der Mensch sich auch wendet, er wird nichts als seine Wahrnehmung erfahren. Es spielt keine Rolle ob er diese Erfahrung durch ein Weltraum-Teleskop, ein Elektronenmikroskop oder seine Haut macht. Alles läuft in der Mitte seines Gehirns zusammen, entfaltet sich daraus, umgibt ihn und breitet sich als seine Wahrnehmung bis an alle Grenzen seiner Vorstellungskraft aus. Über diese Grenzen können wir nur noch unsere Gedanken hinauswerfen und wie mit Angelhaken, Ideen, Gefühle und kreative Inspirationen aus dem Bereich hervorholen, der unserer momentanen Wahrnehmung noch entzogen ist. 

In unserem Gehirn baut sich daraus der unviersale Teppich auf, der aus unendlich vielen Knoten geknüpft wurde. Auf diesem Teppich stehen wir und schauen in die Welt, während alle Informationen, die uns aus dieser Welt erreichen, durch diesen Teppich gefiltert, sondiert, bewertet und verknüpft werden, bevor sie uns vielleicht bewusst werden. 

Dieser Teppich ist unser Glaube. Es ist die Gesamtheit unserer Erwartungen an das, was wir als Welt wahrnehmen (wollen). Durch diese Filterung der Informationen halten wir den konsistenten Aufbau der Welt zusammen, verhindern Akausailtäten und chaotische Ausbrüche. Unsere Erwartungen an das Morgen sind die Erfahrungen von Gestern. So wird das Morgen wie Gestern sein, abgesehen von kleinen, fast unmerklichen Änderungen. Es stehen Myriaden von Augenblicken dem einen, nächsten Augenblick als Formkraft gegenüber, wie ein riesiger Stempel, vor dem es kein Entrinnen gibt. Aber auch das ist nicht so wie es scheint. Der große Erfahrungsfilter, der uns unbewusst und dauernd wirkend ist, ist kein absolutes Etwas. Er ist keine unveränderliche Konstante, sondern so wie alles andere auch, ein durch Erfahrung ins Leben gerufenes Ding. Viele seiner massiven Verankerungen wurzeln in einer homogenen Schicht, längst nicht mehr analysierbarer Erfahrungen, die verdichtet und gepresst, als undurchdringliche Schicht in unserem Erfahrungsschatz ruht. Diese uralten Erinnerungen reflektieren in den Fluktuationen der Quantenebene, aus der heraus der nächste Augenblick aufsteigt. In diese Ebene komprimieren sich allmählich die Lebenserfahrungen vieler Existenzen, werden unkenntlich, unpersönlich, verscheiden aus dem Individuellen in das Kollektive und kehren zurück in einen Ursprung, der selbst noch tiefer unter den Fluktuationen liegt. Noch können wir uns nichts vorstellen, was es unter jener flukturierende Grenze des Allerkleinsten noch gibt. Hier endet unsere Vorstellungskraft und jeder gedankliche Versuch sie zu überwinden, denn hier glauben wir, dass alles entsteht, was wir Universum nennen:  Zeit, Raum , Energie, Materie und Geist. 

Doch wer ist es, der diese Betrachtungsmitte darstellt? Wer ist es, in dessen vernetzten Glaubenstrukturen sich dieses universale Geschehen vollzieht. Wer ist es der an eine flukturierende Quantenebene glaubt, aus der sich das energetisch-materielle Universum entfaltet und gleichsam zentriert? Wo spielt sich das Spiel der Schöpfung ab?

So unglaublich es klingt, es spielt sich in jedem Ding ab, dessen wir uns bewusst werden. In dem Augenblick in dem wir etwas erkennen, ziehen wir es in die Realität. Es erhält seine Wahrheit und seine Wirklichkeit von uns, indem es für uns wahr und wirklich ist, existiert es auch. Das Wunder dabei ist, dass wir nicht nur für uns selbst Gewahr-Sein geben, sondern uns auch den Wahrheiten anderer Menschen beteiligen können. So ist es uns möglich Gedanken und Dinge miteinander zu teilen, gemeinsam daran zu arbeiten, Ziele zu entwickeln und Pläne zu schmieden. 

In Wirklichkeit jedoch existiert nichts außer Glauben. 

Die anderen Menschen sind eine Projektion von Eigenschaften, die wir selbst nicht leben können. Die vielleicht so paradox zu unserer aktuellen eigenen Erwartungshaltung sind, dass  sie nicht integrierbar sind. Sie fliegen sprichwörtlich aus unserem System hinaus und bilden ein eigenes System. Entwickeln sich zu einer Alternative, einem neuen sich entfaltenden Universum mit einem eigenen definierten Zentrum. Jetzt lässt sich diese Andersartigkeit wieder als Ding, als Objekt dieser Welt, im eigenen System integrieren. Die Paradoxie löst sich für uns dadurch auf und wir leben in einer logisch kausalen, berechenbaren und zuverlässigen Welt. Dies jedoch nur so lange, wie wir uns selbst nicht als die Erbauer dieser Glaubensysteme erkennen. 

In dem Moment, indem wir aufhören nicht mehr an unsere Ohnmacht zu glauben, die uns suggeriert, dass wir keinen Einfluß haben, weder auf die physikalischen noch auf die geistigen Gesetze, beginnt die uns bekannte Welt sich aufzulösen. So wie unsere Glaubenssätze aufweichen und erodieren, so zerbröckelt das Festgefügte unserer Welt. Jedesmal wenn wir fragen:"Woher weiß ich das eigentlich? Ist die Quelle aus der ich mein Wissen habe zuverlässig? Woher hatte die Quelle ihr wissen?", brechen die alten neuronalen Vernetzungen in unserem Gehirn zusammen, fallen auseinander und wir erkennen, dass alle Erwartungen an das Leben in einer unerfahrbaren Ebene wurzeln und das wir anderes nur glaubten, weil es uns so überliefert wurde. 

Doch Wachstum ist ein permanentes Sprengen von Begrenzungen. Es ist das Überschreiten von zuvor als unüberwindlich gehaltenen Grenzen und undenkbar erachteten Tabus. Unsere eigene Wissenschaftsgeschichte ist das beste Beispiel dafür. Wir möchten so gerne eine absolute, stabile, unveränderliche Welt, dass wir diesem Wunsch unsere ganze Macht opfern, in dem wir uns als  ohnmächtig gegenüber der Gestaltung des nächsten Augenblicks erklären. Wir erwarten buchstäblich unsere Ohnmacht im nächsten Augenblick und wir bekommen sie. Wir haben uns ein sehr dichtes Netz aus Glaubenssätzen geschaffen, die uns daran hindern sollen, wieder in unsere Verantwortung zu finden. Dieses Netz ist sehr stabil, sehr alt und sehr widerstandsfähig. Es dauert einige Zeit und es bedarf eines festen Willens, dieses Glaubenssystem aufzulösen.

 

alles liebe

Joan

... das war's tatsächllich