Realität und Geist

Als Menschen halten wir für wahr, was uns unsere physischen Sinne an Wahrnehmungen liefern. Wir versehen die elektrochemischen Reize, die von den physischen Sinne an das physische  Gehirn geliefert werden, mit Wahrheit. Da für uns das, was wahr ist, existiert, entsteht so die existierende physische Wahrnehmungs-Realität. So entsteht unsere Welt. Egal welche Sinnes-Erweiterungen wir uns auch ausdenken: Elektronenmikroskope, Weltraumteleskope, Kernspintomografen oder Zyklotrone: In der physischen Welt gibt es nichts "unwahres" und alles was wir finden und analysieren existiert. Existiert für uns.

 

Das bedeutet nicht, dass die Realität der Welt nur aus dieser Wahrheit besteht, aber wir Menschen können sie normalerweise in keinem anderen Kontext als dem unserer physischen Sinne erfahren. Die physische Welt ist deswegen nicht "unwahr", aber das Bild, dass wir uns von ihr machen ist nur eine Möglichkeit unter vielen, in der Bewusstsein in Erscheinung tritt. Unsere physischen Sinne sind unumgängliche Filter, die uns in gewisser Weise zwingen, sinnlich Wahrgenommenes auch in sinnlich Erfahrbares umzusetzen. Die physischen Sinne sind dabei an ein eng begrenztes Frequenzspektrum gebunden, welches zudem auch noch sehr große Lücken aufweist.

 

Unsere "inneren" Sinne erlauben es uns jedoch diese Wahrnehmungsreize um vieles freier zu deuten und so uA. zur Selbsterkenntnis zu gelangen. Diese "inneren Sinne" sind: Intuition und Fantasie (Kreativität)  als Mitbringsel aus unserem Geistursprung und Intellekt und Erinnerungsspeicher als Fähigkeiten des Bewusstseins. Mit diesen inneren Sinnen können die gelieferten Sinneswahrnehmungen völlig anders betrachtet werden. Aus dieser Betrachtung heraus kommen wir dann zu Meinungen und Werten. Während die äußeren Sinneswahrnehmungen mehr oder weniger andauernd vorhanden sind, haben wir die Kontrolle über die inneren Sinne und können sie, mit etwas Übung, an und abschalten.

 

Das Bewusstsein mit dem wir ausgestattet sind, ist dazu da, innerhalb der von uns postulierten linearen Raumzeit eine eigene psycho-physisch-emotionale Existenz zu führen. In diesem Rahmen bringen wir physische Formen und Situationen hervor und leben dann in diesem Kontext. Dabei werden die geschaffenen Formen durch ein Selbsterhaltungsprinzip unterstützt, das zB. alles wachsen, sich entwickeln und vollenden lässt, ohne dass dazu noch eine bewusste Aufmerksamkeit notwendig wäre. Dieses Selbsterhaltungsprinzip verhindert auch, dass einmal in die Existenz gerufenen Formen sich nicht ohne weiteres Dazutun wieder löschen lassen. Das führt manchmal in hoch komplexe oder scheinbar ausweglose Situationen, die nur durch eine Veränderung in der Struktur des erschaffenden Bewusstseins gelöst werden können. 

 

Die Struktur des Bewusstseins ist das, was man auch Glaubenssysteme nennen kann, die Intuition und Kreativität normalerweise eingrenzen und dem Intellekt erlauben durch das Geäst des Geglaubten und Gewussten zu turnen. Diese für wahr gehaltenen Inhalte bestimmen die Grenzen und Regeln innerhalb derer sich das persönliche Bewusstsein entfaltet und ausdrückt. Erst wenn sich diese Glaubenssysteme verändern, kann sich auch das persönliche Bewusstsein verändern. Somit ist jede Veränderung einer zuvor für wahr gehaltenen Regel eine Bewusstseinsveränderung, eine Befähigung zu Neuem. Zu Etwas, das vor der Veränderung Undenkbar, Unmachbar oder Ungehörig war.  Nach der Veränderung öffnen sich dem Intellekt neue Äste zum Klettern und Erforschen und Intuition und Kreativität finden etwas mehr Ausdrucksraum. Vieles davon ist trivial, jedoch wirken sich auch die kleinsten Veränderungen auf die ebenfalls vernetzten komplexen Systeme, wie Gesellschaftsansichten, Moralvorstellungen, Eigentum, Kindererziehung oder politischer Meinung aus. Anhaltende Veränderungen der persönlichen Glaubenssysteme führt früher oder später zu großen gesellschaftlichen Veränderungen. Doch das soll uns hier nur am Rande interessieren.

 

Wie gesagt, haben wir Menschen ein Bewusstsein. So wie wir einen Körper haben. Dieses Bewusstsein ist jedoch im Gegensatz zum physischen Körper, nur ein Teilaspekt dessen, was sich hinter dem Wort "Bewusstsein" versteckt. Während unser materieller Körper eindeutig Massengrenzen hat, ist unser Bewusstsein nur der Teil des Ganzen, der uns mit unseren inneren wie äußeren Sinnen zugänglich ist. Den anderen, viel größeren Teil von "Bewusstsein", nehmen wir niemals bewusst wahr. Er ist "unbewusst". "Unbewusst" bedeutet jedoch nur, dass wir keine Ahnung von seiner Existenz haben. Wie auch? Können wir es mit keinem unserer Sinne wahrnehmen und ihm "Wahrheit" und damit "Existenz" zuordnen. Dieses Unbewusste ist jedoch die Quelle von allem, was jemals zu unserem persönlichen "Bewusstsein" wurde. Dieses persönliche Bewusstsein ermöglicht uns zwar unsere Individualität und diese Realität aufrecht zu erhalten, aber es ist nur der Tropfen, der im Meer schwimmend auf die Idee kam, dass das Meer aus Myriaden von Tropfen bestehen muss, weil er selbst sich so wahrnahm.

Seither glaubt das persönliche Bewusstsein an seine Indivi-dualität und schuf die Grundlage des  sogenannten "EGO", dem "Ich-Bewusstsein".

 

Weil "Ego" ein oft negativ besetztes Wort ist, verwende ich lieber den viel weiter gefassten Begriff "Tamagotchi". Zur Erinnerung: In den 1990iger Jahren war ein Tamagotchi ein elektronisches Kinderspielzeug, das ein "Wesen" simulierte. Um dieses "Wesen" musste sich das spielende Kind kümmern. Es musste es füttern, streicheln, unterhalten usw. andernfalls wurde es krank oder starb. (Die Eltern konnten es dann durch einen Resetknopf wieder zum Leben erwecken.) Mir ist diese Analogie des menschlichen Egos mit dem Tamagotchi sehr lieb, wenn auch mit einem zwinkernden Auge.

 

Es ist also nicht so, dass die physische Realität nur durch das Tamagotchi-Bewusstsein erschaffen wird. An diesem Vorgang ist das Gesamt-Bewusstsein beteiligt. Deshalb sind alle realitätsverändernden Maßnahmen mehr oder weniger transzendenter Natur. Sie überschreiten immer die engen Grenzen des Tamagotchis und legen neue Formen aus der unbewussten Quelle frei. Die dreidimensionale Lebenserfahrung ist für den interdimensionalen Menschen eine unschätzbare  Grundausbildung. Die hier gemachten Erfahrungen werden für immer in ihm verankert bleiben, auch wenn sie nur einen kleinen Teil seines Gesamtwesens ausmachen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist dabei, dass das Bewusstsein die erlebbare Realität ausformt. Diese Erkenntnis ist nur in einer dimensional begrenzten Umwelt zu erlangen. Der menschliche Körper ist so eine Umwelt. Er ist beileibe nicht so etwas wie ein Gehäuse in das wir eingesperrt sind. Er hat keine eigene Existenz. Er ist nur mit uns verbunden und löst sich auf, wenn wir gehen. Er ist auch nicht bei der Geburt zugeteilt worden und aus genetischen Gründen groß oder klein, dick, dünn, schön, hässlich usw. Die Form des Körpers ist die persönliche, physische Materialisation unserer eigenen Gedanken, Gefühle, Intuitionen und Werte. Wir erschaffen ihn, indem unser Wesenskern Gedanken und Empfindungen in körperliche Entsprechungen übersetzt. Deshalb reflektiert der Körperzustand immer unseren subjektiven Zustand und zwar fehlerfrei. Wir bauen buchstäblich auf atomarer Ebene unseren Körper als Abbild unserer Befindlichkeit auf und das mehrere hundert Milliarden Mal pro Sekunde. Der Körper schwingt in der gleichen Frequenz wie alle Atome im Universum und genauso wie alle Objekte in unserem Bewusstsein.

 

Doch nicht nur der eigene Körper entsteht so, sondern auch die Umwelt. Wir bilden aufgrund unserer Glaubenssysteme mit unseren Gedanken Vorlagen, laden diese mit Emotionen auf und beobachten den energetischen Kristallisationsprozess, der in seiner Rückkopplung über unsere Wahrnehmung sich in die Materie ergießt und die uns bekannte Umwelt erschafft. Die Fixierung auf eine dreidimensionale Existenz gibt dabei den Rahmen vor, innerhalb dessen sich dann unser Leben vollzieht. Aus unserem Wesenskern, fließt dabei genau soviel Energie über das Nullpunktfeld in Form von Emotionen in das Bewusstsein zurück, wie es die Kristallisation vorgibt. Diese einströmende Energie nimmt dabei die im Bewusstsein vorhandenen Informations-Strukturen als Signatur auf. Jeder Gedanke und jede Empfindung, überhaupt alles, was zu unserem Bewusstsein zählt oder von ihm erschaffen wurde, hat diese individuelle "elektromagnetische" Signatur. Die meisten Menschen bevorzugen die gleiche Grundfrequenz und tragen so zu einer Art kollektiven Erfahrungs-Superraumes bei, jedoch bleiben ihre Kreationen über die Signatur ihres Bewusstseins immer mit ihnen verbunden. Kein Apfel wird jemals vom Kirschbaum fallen. 

 

Bei einem sich entwickelnden Bewusstsein verschiebt sich seine Grundfrequenz hin zu höheren Schwingungen. Dadurch hebt sich seine persönliche Realität allmählich aus dem quasi kollektiven Super-Erfahrungsraum heraus. So erfahren wir zB. keine Manifestationen von Formen, die nicht auf unserer eigenen Frequenz schwingen. Physische Formen oder Gegenstände, die ein höher schwingendes Bewusstsein erzeugt, können von einem langsamer schwingenden Bewusstsein nicht wahrgenommen oder erkannt werden. Jetzt ist es aber so, dass jedes Bewusstsein sich im Laufe seiner Existenz hin zu höherer Frequenz entwickelt. Dieser Prozess kann natürlich durch entsprechende Schulung beschleunigt werden. Jedoch der Preis dafür ist die Loslösung aus dem "kollektiven Weltenraum" und führt zu der menschlichen Suche nach dem "Anderen der gleichen Art". Wichtig ist dabei zu verstehen, dass jedes Bewusstsein schwingt und dass diese Schwingung keine technisch reine Sinuswelle ist, sondern eher den Klangcharakter eines Donnerhalls oder einer Explosion hat. Auf jeder Schwingungsebene wird manifestiert. Wobei die Frequenzen von den Emotionen im Augenblick bestimmt werden. Daher kann es sein, dass sich Dinge in Realitäten manifestieren, die man nie erleben wird. Sie sind dann parallel, bilden ganze Para-Welten und sind für den im Hier und Jetzt verankerten Bewusstseinsfokus unerreichbar. Der Weltenraum, den uns unsere physischen Sinne also vermitteln ist weitaus dichter bevölkert, als wir es wahrnehmen. 

Aus all dem lässt sich schlussfolgern, dass die Beruhigung der Gefühle und das Loslassen von Gedanken und Glaubenssystemen für jeden Menschen zu den wichtigsten Zielen gehören sollte. Je weniger verschiedene Inhalte sein Bewusstsein trüben und je einförmiger seine emotionale Lage ist, desto näher kommen sich die durch ihn erschaffenen Realitäten. Ein Zustand andauernder heiterer Gelassenheit ist die beste Basis für ein gesundes Bewusstsein.

 

alles liebe

Joan

 

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