Traumphysik


Wenn ich so in meine Welt schaue, dann entdecke ich immer wieder fähige und herzbetroffene Menschen, die versuchen ihre Weltwahrnehmung dadurch zu verändern, indem sie entweder ein Streitgespräch suchen oder in einen Dialog einzutreten versuchen.

Beides ist jedoch von vornherein zum Scheitern verurteilt, da beide Gesprächsformen nur auf einer sachlichen Ebene funktionieren. Wo es jedoch keine objektiven Sachen gibt, müssen sie versagen. Deshalb bleiben die dem rationalen Verstand nicht zugänglichen menschlichen Erfahrungen grundsätzlich jeder Gesprächsform verschlossen.
Es kann weder Diskurs noch Dialog über etwas geben, was das rationale Erfassen nicht in ein Objekt transformieren kann. Die Ansicht, dass alles in ein Objekt transformierbar ist, halte ich für eine Hybris des menschlichen Tamagotchis. So können wir zwar behaupten "Gott ist Liebe", doch mehr als ein hülsenartiges Objekt mit dem Namen "Gott ist Liebe" entsteht nicht. Die Qualität der Erfahrung "Gott ist Liebe" geht verloren und wir erhalten einmal mehr einen philosophischen Gedanken, mit dem sich trefflich spielen lässt.

Wir möchten zu gerne um Gödels Theorem herum kommen und eine stabile beweisbare Struktur für unsere Gedankengebäude finden. Etwas, dass fest in der Erde gründet und jedem weiteren gedanklichen Anwurf standhält. Doch das gibt es nicht, weil ALLES relativ ist. Sogar die eigene Meinung und der eigene Wille. Diese beiden Geister "Meinung" und "Wille" spuken in unseren Köpfen herum und verleiten so manch brillantes Wesen dazu sich in endlosen philosophischen Diskursen zu ergehen. Nun gut, vieleicht bis es müde geworden ist, sich zur Ruhe legt und einschläft. Es träumt dann einen Traum, indem es sich als großen Philosophen erlebt, der nahe an die alles erklärende Weltformel kommt. Es lebt ein Traumleben in voller Realität, führt Diskussionen und Dialoge, wird geehrt oder gefoltert, liebt und leidet und dann ... wacht es auf und realisiert: Alles nur ein Traum.

Meine Lieben, die ihr das hier lest: Ihr träumt den Traum eines größeren Bewusstseins. Nicht ein einziger Gedanke, kein Gefühl und schon gar keine Tat erfolgt durch Euch. Ein Selbst jenseits dieses größeren Bewusstseins existiert nicht. Wir sind alle Kinder dieses allumfassenden, unser Universum ausmachenden Geistes. Doch komme mir keiner auf die Idee, das dieser Geist etwas anderes sei, als das mit dem wir hier lesen, lieben, leiden, leben oder diskutieren. So wie wir selbst nachts schlafen und träumend durch unser Bewusstsein ziehen, so sind wir die geträumten Formen in dem Traum dessen, was wir sind, wenn wir aufwachen. Es ist eigentlich ganz einfach und kolossal.

Wir sind so stolz auf unsere erschaffenen Wissenschaften. Wir sind so froh dem animistischen und magischen Denken entkommen zu sein. Wir sehen die Wirkweise unseres Bewusstseins in den Versuchen und Apparaturen der Quantenphysik. Doch wir sehen auch den Wald vor lauter Bäumen nicht: Welche Kraft hat sich die Quantenphysik denn ausgedacht, wenn es doch bewiesen erscheint, dass es keine Materie gibt? Dass es nur Beziehungen gibt und ich frage: Beziehungen zwischen was? Objekten? aus Materie? Beziehungen zwischen Menschen, die nicht aus Materie bestehen, es aber glauben? Beziehungen zwischen Informationen, die per se immateriell sind? Welche Sachlichkeit soll es denn da noch geben? Wozu ist die Bereitschaft zum gemeinsamen Ergründen von .. ja von was eigentlich ... dann noch nützlich?
Dort wo wir mit unserem Bewusstsein ein Nullpunktfeld sehen und es als eine leere Wüste bezeichnen müssten, sehen wir die Grundbausteine unseres Universums entstehen und zwar indem wir es beobachten! Wir beobachten da aber was? Wir können es nur als das sehen, was wir sehen. Hier sind wir an eine Grenze gestossen, dei uns unbarmherzig auf uns selbst zurückwirft und uns die ganze Tragödie unseres beschränkten Denkens vor Augen führt. Wir schrecken vor der sich so logisch ergebenden Wahrheit zurück!

Ist es nicht einfach so, dass es so erbärmlich in der Brust schmerzt, wenn man zuschauen muss was sich alles in der Welt, die man wahrnimmt ereignet? Wenn man sich außerstande fühlt daran irgendetwas Signifikantes zu verändern? Wenn man sich ohnmächtig fühlt, weil man weiß, dass das, was man wahrnimmt, das Echo seines eigenen Denken und Glaubens ist und die schnellen effektiven Methoden nicht kennt, um es zu ändern? Es ist die Liebe, die uns beim Anblick mancher Gesichte dieser Welt das Herz zerreisst. Es ist die Liebe, die einem zeigt, dass man zuständig ist für das große Ganze - auch dann, wenn man sich klein und mickrig fühlt im Getriebe und keine Ahnung hat was zu tun ist.

Ich glaube daran, dass alles was wir tun und getan haben dazu dient uns alle in eine einzige Erkenntnis zu führen:

ICH BIN DAS ..... Tat tvam asi


Und weil dieses "Ich bin das" so eine dicke fette Kröte ist, die vielen guten Menschen im Hals stecken bleibt, fühlen sie sich gehalten, das bisschen Wissen, das sie meinen zu haben, anderen mitzuteilen. In der Hoffnung offene Ohren zu finden, durch die ein neues Gewahrsein wachsen kann. Ein Gewahrsein, in dem sich Beziehungen verändern, Informationen neu vernetzen und das schließlich einen neuen Traum gebiert. 

Ich schließe meinen Monolog nun. Ich schrieb dies im Wissen um die holografische Natur meiner Realität und das alles darin ein Aufwachdatum hat. Doch auch mit dem Wunsch die Herzen jener zu erreichen, die noch immer versuchen ihrer inneren Qual allein mit rationalen Methoden beizukommen, so subtil sie auch sein mögen.
Bedenke immer: Du bist kein dimensionales Wesen.

alles liebe
Joan