Satori

 

Der Zen-Meister Ikkyu wurde einst von einem Schüler gebeten, einige Grundregeln der höchsten Weisheit aufzuschreiben. Ikkyu nahm sofort einen Pinsel und schrieb: AUFMERKSAMKEIT. Der Schüler fragte, ob das alles sei. Darauf schrieb Ikkyu: AUFMERKSAMKEIT AUFMERKSAMKEIT. Der Schüler begriff noch immer nicht, darauf schrieb Ikkyu ein drittes Mal AUFMERKSAMKEIT. Schon fast verärgert fragte der Schüler den Meister: Was bedeutet Aufmerksamkeit? Ikkyu antwortete: Aufmerksamkeit bedeutet Aufmerksamkeit.

 

Aufmersamkeit, Achtsamkeit ist wohl das Schwierigste, was es zu üben gibt. Das war damals so und es ist heute immer noch so. Vor allem dann, wenn es um so ein zweideutiges Thema wie Satori oder Erwachen geht. Sowohl die traditionellen Religionen, als auch die neuen Wissenschaften sind sich einig, dass der Mensch in seiner entwickelten Form, der Ausdruck des universalen Geistes ist. Aber nicht nur der Mensch, sondern auch sein ganzes Universum. Alles ist Ausdruck des Geistes, denn nur durch den Geist, das entwickelte Bewusstsein, entsteht die Beziehungswelt des wahrnehmenden Menschen.  
An dieser Stelle setzt meistens die Aufmerksamkeit, ob der Ungeheuerlichkeit dieses Gedankens, aus. ALLES IST AUSDRUCK DES GEISTES, oder anders gesagt: Alles ist ein Produkt des Bewusstseins, an dem der Mensch mehr oder weniger teilhat. Je erwachter desto mehr. Das ist sehr einfach. Je mehr, desto klarer müsste es doch sein, dass die ganze materielle Welt in ihrem "wie sie ist" genau so gemeint ist. Das es keinen Wertunterschied zwischen dem Heiligen und dem Banker, dem Politiker und dem Arzt, dem Arbeiter und dem Unternehmer gibt. Das jeder und alles der Ausdruck des einen wirkenden Geistes ist und dieser Geist in seiner unergründlichen Intelligenz es für richtig hält, alles so sein zu lassen, wie es eben ist. Da ist kein Platz mehr für das Sakrale oder das Profane.
Da ist Meditation überall. Sie klingt in der Autohupe ebenso, wie in der Klangschale und im Gestank der Raffinerie, wie im Räucherstäbchen. Einzig und allein die vom ewigen Geist geschaffenen Glaubenssysteme, die wir als unser "ich" ansehen, unterscheiden hier mit ihren Wertesystemen.  
Es gibt kein oberflächliches Leben, egal wie sehr wir uns auch über manche Verhalten empören. Alles ist, wie es sein soll. Nicht zuletzt DAMIT wir uns über unserer Entrüstung wieder selbst finden können. Im Anderen, dem idiotischen Nachbarn, dem gierigen Banker, dem unzufriedenen Kunden, dem Menschheitsverführer oder dem immer nörgelnden Chef. Als Mensch können wir uns entscheiden, den Weg unverändert weiter zu gehen, also zu leben wie es eben ist - den Traum so zu lassen, in den wir hineingeboren sind. Oder wir entscheiden uns dazu etwas zu ändern. Doch was sollen wir ändern, wenn doch alles so recht ist, wie es ist?

Ein Satori ist eine kleine Erleuchtung, quasi ein Sandkorn am Strand der Erleuchtung. Eine Erfahrung der Wirklichkeit, die den Traum hervorbringt. Indem wir diese Erfahrung machen, erkennen wir, dass wir nicht getrennt sind. Wir sind von nichts getrennt. Nicht vom anderen, nicht vom Himmel, nicht vom Meer und schon gar nicht vom Bewusstsein, vom großen Geist. Im Satori steckt die Erfahrung, dass es nur einen winzign Unterschied zwischen dem großen Geist und dem personalen Geist gibt: Der Unglaube, eins mit dem großen Ganzen zu sein und der Glaube an die Nicht-Beteiligugn an dem "So-sein der wahrgenommenen Welt".  

 

Aufmerksamkeit - Achtsamkeit!

Nehmen wird diese Begriffe aus unserer Sprache ernst und verstehen wir sie richtig, dann endet mit der Erfahrung des Satori die Illusion der Unschuld.

Die wahrgenommene Welt ist im Gefüge der Schöpfung des großen Geistes, zu 100% ein Weltengebäude der eigenen Glaubenssätze- ob wir sie für positiv oder negativ halten.

Satori bringt uns in diese Erkenntnis und setzt die Bestürzung frei, die dieser Erkenntnis innewohnt. Aus dieser Bestürzung heraus schöpfen wir die Kraft zur Veränderung. Nicht der Rückzug in den Elfenbeinturm der Einsiedelei, sondern das tatkräftige Hineinstürzen in den Alltag ist die Folge.

Die Erkenntnis des Mitschöpfertums an der Welt, wie sie ist, mobilisiert die Kräfte zur Veränderung. Auch hier jedoch ferne von gut und böse. Die Veränderung, die Satori in uns Menschen auslöst, ist nicht "unsere" Veränderung, sondern die Veränderung des Unveränderlichen. Es übersteigt das Fassungsvermögen des eigenen Sebstverständnisses. Gott, der große Geist, verändert sich selbst, durch eine Erfahrung, die er in seiner Form als Mensch macht. Nicht das Ego, dieses weltliche ich des Menschen wird angehoben in einen neue Bewusstseinsebene, sondern der große Geist scheint umso heller durch das Gefäß seiner Form hindurch. Indem er heller erscheint, verblasst das weltiche Ich des Menschen, wie eine Kerze neben einem Scheinwerfer.

Alles ist eins - Alles ist Gott.

Wie kann es da ein menschliches Ego geben, oder eine Verfehlung? Das allumfassende Bewusstsein, erkennt sich selbst in der Vielheit der Formen, indem es den Menschen als Avatar hervorbringt. Ein Avatar, der selbst in der Lage ist die materielle Welt durch seine Anwesenheit zu verändern. Seine geschaffenen Formen heißen Quantenphysik , Noetik, Quantenphilosophie und sind doch nichts anderes als die Trittsteine auf denen der große Geist sich selbst erkennt.

Satori - die große Erfahrung. Das Einwurzeln in das was du bist.

alles liebe

Joan, Kyparissia