Unio mystica

 

Das Gehirn, der Biocomputer des Menschen, arbeitet jeden Tag fleißig und ohne Unterlass. Es wird programmiert,  programmiert sich selbst und frönt seiner Informationssucht. Die einzige wirkliche Ruhepause ist die Zeit, in der sich das hochfrequente Bewusstsein des Menschen aus der Physis verabschiedet. Üblicherweise nennen wir das „schlafen“. Nachts im Bett, lassen wir vom bewussten Denken los, lassen alles beiseite, was es an weltlichen Bedingungen zu beachten gilt und dringen in Sphären vor, die nicht zum gewohnten Alltag und zur normierten, allgemeinverbindlichen Realität gehören.

Wir verlassen den Bewusstseinsbereich, der größtenteils durch uns und die Gesellschaft programmiert wird.  Ähnliches passiert in der Meditation oder dem luziden Träumen. Es spielt sich meist alles zu einer Zeit ab, in der wir in der Übereinkunft leben, ungestört zu sein.

Es gibt aber noch einen Ort, an dem man die seltene Freiheit des Geistes erfahren kann. Einen Ort, an dem man denken und fühlen kann, was man sich selbst und kein anderer für einen aussucht. Einen Ort, an dem man sich selbst erforschen kann und seine Rolle in dem großen Spiel des universalen Selbst. Dieser Ort hat verschiedene Namen erhalten: Samadhitank, Isolationstank, Floatingtank. Es ist ein Platz, den man aufsucht um nichts zu erfahren und trotzdem Antworten zu finden.

Welche Fragen dabei vom Denken gestellt werden ist unerheblich. Ein guter Anfang ist die eine große Frage: „Wer bin ich?“ Jedoch sind alle Fragen gleichermaßen geeignet, denn alle stammen aus dem Denken und sind damit für das folgende Geschehen gleichermaßen unwichtig. Sie dienen zunächst nur der Konzentration des Willens, damit dieser nicht ziellos umherschweift. In einer Welt mit stark reduzierter Sinneswahrnehmung besteht die Gefahr der geistigen Zerstreuung, weil kein Reiz die Aufmerksamkeit bündelt. Die Folge ist ein stetiges Hüpfen von einem Gedankengang in den nächsten ohne Ende und ohne Sinn. Wird jedoch eine in der Seele brennende Frage aufrecht erhalten, konzentriert sich der Geist auf diese Stelle und fördert ein Universum an Antworten in das Bewusstsein. Manchmal so viele, dass sich der Mensch überflutet und hilflos der Überschwemmung ausgeliefert fühlt. So richtig, logisch, erhaben und tiefsinnig dieses Universum der Antworten auch sein mag, es ist ein Produkt des Denkens. Es ist ein Ausgraben von altem, seit Äonen angelegtem Wissen. Als bereits vorhandenes Wissen taugt es jedoch nur dazu, eine bereits gestellte Frage mit bereits gegebenen Antworten einzulösen. Es geschieht nur eine Wiederholung, wenngleich auch die wunderbare des vermeintlichen Lernens.

Sind wir jedoch tatsächlich und mit voller Absicht auf dem Rückweg in unsere wahre Natur, werden wir dieses Universum der Antworten als das erkennen müssen, was es ist: Ein Versuch uns vom einzig richtigen Weg abzubringen. Diese Erkenntnis ist oft schmerzlich und wir kämpfen mit allem was uns zur Verfügung steht dagegen an. Doch wollen wir tatsächlich zu uns kommen, müssen wir das Universum der Fragen, des Denkens und des Wissen Ansammelns verlassen. Wir müssen erkennen, dass jedes Wissen, jede Information den Rückweg verstellt. Wir müssen bereit sein, alles Alte und alles Neue los zu lassen und uns in einen Zustand absichtsloser Existenz begeben. Erst wenn alles Angesammelte als Versuch der Ablenkung erkannt und losgelassen wurde, öffnet sich das Tor zu „Unio mystica“. Dieser Zustand ist dadurch gekennzeichnet, dass er niemals denkerisch erfassbar ist, weil er in einer anderen Existenzebene stattfindet. Es sind tausende Bücher darüber geschrieben und Millionen Worte darüber gesagt worden und doch muss die „Unio mystica“ von jedem Menschen selbst erlebt werden. Ohne diese Erfahrung bleibt die menschliche Entwicklung auf einer oberflächlichen mentalen Stufe stecken.

In dem wir uns der Versuchung dauernder Erklärungen entziehen, zermürben wir die Struktur des spiegelnden Denkens, das uns von der Erkenntnis der Wahrheit fern hält. In dem wir uns immer wieder aufs Neue dem Loslassen jeglicher Gedanken und ihren Wissensstrukturen hingeben öffnen sich mit absoluter Gewissheit die Tore, die zur Unio mystica, der Vereinigung mit dem eigenen Wesen führen. Diese Tore führen uns zuerst in die geistige Isolation und in die mentale Einsamkeit, die es durchzuhalten gilt. Sind diese Gefühlstrukturen überwunden treten befremdende Gefühle der Gleichgültigkeit und Glückseligkeit auf, die gepaart sind mit dem intuitiven Gewahrsein, das alles seine Richtigkeit hat. In diesem oft verwirrenden Zustand verharren wir solange, bis die letzten Reste an erlerntem Wissen verbrannt wurden. Hier haben wir bereits den „Point of no return“ überschritten und der große Geist des Menschen hat das Steuer übernommen.

Längst sind Eigenwille und Ohnmachtsgedanken verschwunden und trotz aller Verwirrungen, fühlen wir uns umfasst von einer größeren Intelligenz. Einer Kraft, die uns auf unerklärliche, ja fast magisch zu nennende Weise durch unser Leben lenkt. Wir lernen dabei selbst das Tun zugunsten des höheren Seins aufzugeben und dabei die damit zusammenhängenden Ängste aufzulösen. Das Vertrauen in eine höhere Intelligenz, ein uns tragendes und schützendes liebendes Wesen wächst solange, bis wir uns zutrauen die letzten vorgefassten Meinungen und Überzeugungen aufzugeben.

Was dann geschieht ist eine Erfahrung, die sich nicht in die unzureichendem Begriffe eines dualen, sequentiell eingeschränkten Denkens fassen lässt. Es ist die Erfahrung der Leere, die sich nicht kommunizieren lässt und die von denen, die es erfahren auch nicht kommuniziert wird. Im Bewusstsein der Unmöglichkeit, die Erfahrung der Selbstwerdung auf der Ebene des Denkens, Verstehens und Wissens mitzuteilen, bleiben sie in der Welt und ziehen durch Ihr Handeln eine Spur der Liebe. Diese Spur wird von jenen gefunden, die selbst bereit sind diesen Weg zu beschreiten. Die anderen werden von ihren wirksamen eingefleischten Programmierungen und Glaubenssystemen daran gehindert diesen Spuren zu folgen. Ihnen macht die Mitteilung, dass es einen Rückweg gibt, der uns schnell und einfach wieder mit unserem wahren Wesen verbindet, Angst. Sie vermeiden ihn tunlichst und halten sich durch Kritik und Ablenkungen von allem fern, was sie in diese Richtung voran bringen könnte. In der Wahrnehmung derjenigen, die die Unio Mystica bereits erfahren haben, werden sie immer seltener.

Und so finden Sie auch immer schwerer die Spuren der Liebe.

So heilen wir uns selbst, so manifestieren wir DUALITÄT, indem wir selbst zur EINHEIT werden.

alles liebe

Joan