· 

Geschichte eines Zen Satori

 

 

Geschichte eines Zen Satori

 

Für das spirituelle Leben reicht intellektuelles Verstehen allein nicht aus. Menschen, die viel über Zen gelesen haben, mögen zwar denken, sie wüssten, worum es geht, aber das genügt nicht. Es muss ein tatsächliches spirituelles Erleben hinzukommen, eine innere Umwandlung. Um überhaupt von echtem spirituellen Leben sprechen zu können, müssen sich unser Gewahrsein, die Art und Weise, wie wir Dinge sehen, und unser Verhalten erheblich wandeln. Meist nehmen wir einfach intellektuelle Informationen aus äußeren Quellen in uns auf, ohne dass sich dadurch etwas Grundsätzliches an der Qualität unseres Bewusstseins ändert. Doch gerade um diese radikale Veränderung unseres Bewusstseins geht es. Etwas muss sich völlig umdrehen, auf den Kopf stellen oder, wie Nietzsche es nennt, es muss “eine Umwertung aller Werte” erfolgen, wodurch wir die Dinge nicht nur ein bisschen anders sehen, sondern mit allen bisherigen Werten brechend total anders. Darauf müssen wir gefasst sein. Diese Kehrtwende, diese Umwandlung findet plötzlich statt, sie dauert nur einen Augenblick. Das erinnert an die Zen-Idee der „plötzlichen Erleuchtung“. Unglücklicherweise nehmen immer noch viele an, damit sei gemeint, man könne Erleuchtung schnell und einfach erlangen, ohne weitere Umstände. Man geht einfach in die Bücherei, leiht sich ein, zwei Bücher über Zen-Buddhismus aus, liest sie und schwups ist man am Ziel! Großzügig übersieht man, dass in den Büchern selbst vor der Abhängigkeit von Worten oder Buchstaben gewarnt wird. Genau genommen ist ein Buch über Zen ein Widerspruch in sich. (genau wie dieser Text) Wo Bücher sind, ist kein Zen, oder auch: Wo Zen ist, braucht es keine Bücher. Zumindest hängt Zen nicht von Büchern ab, verlässt sich nicht auf sie. Umwandlung, Erleuchtung oder auch "Satori", wie es im Zen heißt, ist eine Momentsache und tritt plötzlich auf. Denn es geht dabei um etwas, das in einem unfassbar tieferen Raum abläuft. Einem Raum, der dem unverbindlichen, oberflächlichen Wahrnehmen verborgen ist. Es ist ein andauerndes Aufgeben von liebgewonnenen Überzeugungen nötig, um überhaupt in die Nähe dieses Raumes zu kommen. Hier kommt nur hin, wer willens ist alles hinter sich zu lassen. Wer bereit ist, den Schritt über die Kante des Abgrunds zu tun und dann immer tiefer zu fallen, bis er auf dem Grund seines Wesens aufschlägt. DONG! Der Donnerschlag am blauen Himmel! Keine Weisheiten, keine Regeln, nur ein rein gar nichts. 

DONG! Du selbst. DONG! Satori! 

Es ist ein Augenblick der Gnade. Eine Einsicht in das Unfassbare und es ist so schnell wieder vorbei, wie der nächste Atemzug. DONG! Alltag! DONG! DONG! Satori! Vielleicht gelingt es im Zustand der Unbegrenztheit einen Augenblick länger zu verweilen. Beim nächsten Mal. Beim nächsten DONG!

Der wahre Wert dieser Erfahrung liegt jedoch an der Verwandlung des Menschen, den sie mit sich bringt. Diese Erfahrung verändert das Innerste und es ist unmöglich, diese Veränderung nicht in den Alltag zu tragen. Satori wirkt! DONG wirkt! Und auch wenn es schwer ist, es ist wunderschön, wenn die Liebe aus dem Wesen strahlt. 

 

alles liebe

Hans