Meine Quintessence

Wir leben in Mythen, Trancezuständen und Illusionen, von denen die meisten von uns nur schwer loskommen. Meditation und vielleicht auch das richtige Denken helfen dabei, uns von diesen Einbildungen zu befreien. Die meisten spirituellen Lehren sind darauf ausgerichtet, uns beim Ausbruch aus unserem holografischen Bildergefängnis zu unterstützen. 
Um das zu zu verstehen musst du dir klar machen, dass das Universum und alles Leben, was du kennst, nur in deiner Wahrnehmung und Erinnerung existiert. Es ist dabei völlig egal ob du persönlich diese Eindrücke, Erkenntnisse und Bilder für gut oder schlecht, für richtig oder falsch hältst.

 

Du träumst und das Universum träumt. Doch wenn es nur ein großer Geist ist, der alles in die Existenz träumt, glaubst du dann an ihn, es oder sie? Kannst du die Gegenwart dieses großen Geistes spüren? Kannst du diese Gegenwart in deinem Leben zum Ausdruck bringen? Etwas zu glauben, ohne ein Gefühl der praktischen Existenz des Geglaubten zu haben oder sein Wirken im eigenen Leben zu erfahren, ist reine Einbildung. Es ist das Nachbeten vorgekauter Indoktrination und die Übernahme fremder Definitionen über das, was geht und was nicht.

 

Die Gegenwart des großen Geistes wird in allen spirituellen Lehren der Menschheit in irgendeiner Form mit "Gott" gleichgesetzt. Und das ist richtig. Ich werde das Wort "Gott" hier ebenfalls in diesem Sinne verwenden, auch wenn es in den Jahrtausenden so oft missbraucht wurde. Dieser Missbrauch schwingt auch heute noch in vielen von uns mit, sobald wir das Wort "Gott" hören oder lesen und noch viel mehr, wenn wir darüber etwas sagen oder schreiben. Deshalb stelle ich hier jetzt ein paar Fragen, mit deren Hilfe du deine Einstellung zu "Gott" überprüfen kannst.

 

  1. Gibt es einen persönlichen Gott?
  2. Ist dieser Gott der Ursprung alles Existierenden?
  3. Ist dieser Gott eine Person oder eine kosmische Ordnungsvorstellung?
  4. Ist dieser Gott ein geheimer Oligarch, der einige Menschen bevorzugt und alle anderen mit Gesetzen maßregelt?
  5. Hat Gott eine Persönlichkeit?

Hinter diesen Fragen verbirgt sich ein Geheimnis großer Tiefe, das ich selbst erfahren habe. Ich kenne dieses Mysterium aus meinem eigenen Erleben heraus und erfahre es, wenn ich friedvoll und offen genug dafür bin. Doch meine Antworten und Erklärungen sind meine subjektiven Erfahrungen dieser Wahrheit und ich weiß, dass jeder Mensch diese Erfahrung für sich selbst machen muss. Deshalb gebe ich hier keine Antworten auf die Fragen, damit du unvoreingenommen deine eigenen Antworten finden kannst.

 

Im zweiten Teil dieses Textes findest du die Geschichte, die ich erlebte und meine Selbstreflexion darüber.

 

alles liebe

Joan

Die Gegenwart des großen Systems spüren

 Im Juli 1986 bekam ich von der Gegenwart des großen Systems einen Eindruck, der, mein ganzes Leben verändern sollte. Ich befand mich auf einem Zen Retreat in der Nähe von Kyparissia auf dem Peloponnes, am Ionischen Meer.  Es war ein wunderschöner Ort und ein vollkommener Tag. Ich saß zwischen den roten Felsen am Strand und sah auf das endlose Meer hinaus. Ich fühlte die Sonnenstrahlen auf der Haut und der Himmel glühte in makellosem Blau. Einzelne weiße Wolken zogen langsam den Bergen in meinem Rücken entgegen und die leichten Wellen erzeugten den typisch klirrenden Klang aneinander stoßender Marmor-Kieselsteine. 

 

Plötzlich fühlte ich, wie die Geräusche und Farben anfingen mein Gehirn zu durchströmen. Die glitzernden Sterne, der sich auf den Wellen reflektierenden Sonne, verbanden sich zu einem einzigen gleißenden Licht, um das herum sich meine Wahrnehmung wie eine endlose schillernde Blase ausdehnte. Alle Sinne schienen sich zu verstärken und ineinander zu verschmelzen. Ich beobachtete das alles mit großer Faszination und etwas, was am besten mit "positiver Furcht" zu bezeichnen ist. Dann ging  mir urplötzlich auf, dass all das nicht wirklich war. Es war alles nur eine einzige umfassende Illusion war. Ein Meisterstück der Realitätsformung und ein gigantisches Kunstwerk. Ich sah ganz klar, dass jede Bewegung einer  inhärenten Linie folgte, jede Lichtspiegelung, so zufällig sie auch erschien, ein Teil eines großen Musters war. Keine einzige Welle war zufällig oder abhängig vom Wind. Alles folgte einem unergründlich komplexen Schema.  Es war ein einziger großer Tanz unbändiger schöpferischer Energie. Alles war perfekt in Ordnung und die eindeutige Schöpfung eines großen Künstlers, Träumers oder einer unendlich zärtlichen Intelligenz. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, dass die Welt in der ich lebte in mir war. Für einen Augenblick verlor ich die Notwendigkeit sie als etwas "da draußen, außerhalb von mir" anzusehen. Ich empfand ein nicht in Worten auszudrückendes Gefühl von Freiheit und Einheit. Im gleichen Moment erkannte ich vollkommen klar, das alles in einer unendlich liebevollen Kleinarbeit erschaffen worden war. Ich fiel in das Gefühl des Künstlers, der sein Kunstwerk in jedem Augenblick neu erschuf und es dabei jedes Mal ein klein wenig verbesserte. Ich empfand eine Freude und ein Glücksgefühl, dass mir die Tränen in die Augen schossen und in meiner Brust zu explodieren schienen. Es war als hätte der Künstler mir selbst den Pinsel in die Hand gegeben und für einen Augenblick erlaubt ihn zu führen. In dieser Führung schien es mich zu fragen: Willst du wirklich sehen? Willst du wirklich, dass ich ich dich über deine Illusionen hinaus führe?"

Dann wurde alles sehr still. Kein Laut drang mehr zu mir durch. Die grelle Lichtmitte breitete sich über mein gesamtes Gesichtsfeld aus und jeder Sonnenstrahl stach durch mich hindurch. Ich sah von weitem den Platz an dem ich saß, doch dort war niemand. Ich sah und fühlte, doch es war niemand da, der dieses 'ich' hätte sein können. Alle Trennungen waren aufgehoben.

Jede Wahrnehmung bekam eine neue Bedeutung und je tiefer sich diese Bedeutung offenbarte, desto klarer erkannte ich die Welt als erschaffenes Kunstwerk, ein Hologramm des Geistes, in dem er sich selbst erfuhr. Es gab weder eine Evolution, noch unabänderliche Gesetzmäßigkeiten, nur Regeln zum Erhalt der Konstruktion des Ganzen.

Nichts von allem war von blinden Kräften geschaffen worden, auch nicht von Technik oder zufälliger Natur. Ein eindeutig organisiertes, intelligentes, fühlendes und mir ähnliches Wesen hatte es geschaffen. Und es ließ mich gerade teilhaben an seiner Schöpfung. Irgendwann in diesen Momenten begriff ich, was "dein Wille geschehe" in Wirklichkeit bedeutete.

 

In diesem Sinne spürte ich die Gegenwart des großen Systems.

 

Diese Erfahrung wirkt in Wellen - auch noch nach mehr als 30 Jahren. Immer wieder öffneten sich Pakete voller neuer Gedanken und Wissens, die sich in meiner irdischen Existenz abgelegt hatten. Damals war ich mir nicht sicher, ob ich diese Erfahrung überleben würde. Sie beraubte mich der meisten angelernten Fähigkeiten mit dieser zivilisierten Welt erfolgreich umzugehen. 

Heute, im normalen Leben, spüre ich die ungefilterte Gegenwart Gottes nur noch selten. Ich spüre sie, wenn ich längere Zeit allein meditiere oder bestimmte Menschen in meine Nähe kommen. Ich spüre dann die verbindende Energie und habe ein tiefe Kenntnis von der anderen Person. Es ist eine Art gegenseitiger Resonanz, jenseits aller rationalen Erklärbarkeit. Ich spüre es tief in meinem Herzen und wenn das geschieht ist das Gefühl wieder da. Es mag eine Erinnerung sein, denn es spült mich nicht aus meiner Rolle, die ich für dieses Leben angenommen habe. Doch es ist kein Glauben mehr, sondern Wissen. Wissen um die Einheit allen Lebens. Wissen um die Einheit aller Teile und die Illusionen, die diese Einheit verdecken.

 

Meine Angst vor dem Tod ist verschwunden, denn ich weiß, dass das Leben in dieser Welt nur eine kurze Episode in einer weit größeren Aufführung ist. Die Leere in mir schwingt in zärtlicher Liebe zu allem und erzeugt ein friedvolles Vertrauen. Seither versuche ich dieses Gefühl in jedem zu entfachen, dem ich begegne, sofern mein Gegenüber bereit dazu ist. Das ist mir natürlich nicht immer möglich, denn als Mensch trage auch ich die Prägungen und Muster meiner eigenen Vergangenheit, die in unbewussten Augenblicken sofort die Macht an sich reißen. Doch ich bemühe mich dies so selten wie möglich zuzulassen. 

 

In meinem heutigen Verständnis kann ich mich selbst nur so verstehen, dass sich  mit 'ich' das Schöpfende selbst meint, aber wir Menschen mit 'ich' den daraus abgespaltenen Teil meinen, den ich als 'Tamagotchi' bezeichne. Jenes traditionelle Ego, dass mit seinen auf das Überleben ausgerichteten Strategien  zwischen Geburt und Tod in permanenter Angst vor dem Morgen lebt.  Erkennen wir unseren Irrtum in der 'ich' Identifikation, können wir uns auf den Weg machen, hin zu dem, was wir immer schon sind:

 

Die Gegenwart des großen Systems.

 

alles liebe
Joan

Du bist nicht das, was du glaubst zu sein und auch nicht das, was dir andere eingelernt haben.

Du bist ein freies, interdimensionales Wesen, dass glaubt es nicht zu sein.

Du wachst gerade auf!