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Frieden, Stille, Mitte
In zwei Wochen geht es wieder um stille Meditation. Das ist ein großartiger Vorsatz, aber nur ein kleiner Henkel an einem Gefäß, damit man es anfassen kann. Das eigentlich Wichtige ist nicht das Gefäß, auch nicht das Anfassen, sondern sein Inhalt.
Viele von uns kennen sich schon viele Jahre. Ich habe oft darüber gesprochen, dass man sieht, was man selbst ist. Dass man sich über das ärgert, was man an sich selbst nicht akzeptiert, und dass man das liebt, was man glaubt, selbst nicht zu haben.
Und so will ich heute noch einmal den Weg aufzeigen, wie wir alle eine freudige Gelassenheit erreichen können. Selbst in einer Welt, die es uns nicht leichtmacht, das Licht der Liebe hochzuhalten. Eine Welt, die uns mit Alter und Krankheit bedroht und von der wir wissen, dass wir sie verlassen werden. Deshalb fange ich heute mit dem Frieden an und hoffe, dass unsere gemeinsame Schwingung sich in das kollektive Feld der Menschen ausbreitet und nicht nur uns erfüllt und befriedet.
Frieden in der Welt
ist ein großartiger Gedanke, der in der Stille wächst und gedeiht, aber sobald er in den Lärm des Alltags gerät, zerfällt er in tausend Teile.
Jeder von uns hat die Welt kennengelernt und ist durch viele Situationen gegangen, in denen wir überrascht wurden - in denen wir aber auch viel öfter enttäuscht wurden.
Dadurch haben wir den Glauben an eine friedliche Welt aufgegeben oder in eine ferne Zukunft verbannt, die erst noch werden muss.
Doch aus einer höheren Perspektive, aus der Sicht der Seele oder unseres höheren Wesens, erkennen wir, dass es so etwas wie "die Welt" gar nicht gibt.
Die Welt, die wir erleben, ist eine sich dauernd wandelnde Ansammlung von Sinneseindrücken, denen wir unsere Wahrheit geben - und diese Wahrnehmung bezeichnen wir als unsere Welt.
Doch was bedeutet das letztlich?
1. Jeder lebt in seiner eigenen Welt und versucht darin seiner Einsamkeit zu entfliehen, indem er den Erzählungen anderer folgt und so eine Gemeinsamkeit herstellt. Eine Resonanz.
2. Es ist nicht die laute und aggressive Welt, die einer Korrektur bedarf, sondern wir müssen uns ändern.
3. Es ist sinnlos, an der Welt, der eigenen Realität, herumschrauben zu wollen, solange in uns die heutigen Wertvorstellungen vorherrschen.
Solange wir in uns Konflikte ausfechten, solange werden wir in einer Welt leben, in der Kriege herrschen.
Was wir im Leben erfahren, ist, was sich in uns abspielt. Mit dem meisten sind wir ja einverstanden, aber es gibt Bereiche, in denen wir in einem inneren Kampf verwickelt sind. Das sind die Bereiche, in denen wir mit etwas nicht einverstanden sind. Nicht einverstanden sein, bedeutet, sich von etwas zu trennen. Man wird zwistig, zwei-ansichtig.
In diesen Kämpfen vergeuden wir unsere Energie, und wenn ich es anders ausdrücke, dann verlieren wir darin unsere Liebe.
Dabei spielt es keine Rolle, ob es große Ablehnungen sind oder kleine.
Jeder Konflikt spaltet unsere Einheit in zwei oder mehr Teile. Dann können Verleugnungen entstehen, die die Anliegen einer anderen Gruppe ignorieren und die eigenen Ansichten in den Vordergrund
stellen. Wir führen diese inneren Kriege, weil wir unseren eigenen Willen durchsetzen wollen, und das geht manchmal so weit, dass das Leben nichts mehr bedeutet.
Völlig gleichgültig, ob es die Bäume sind, die der nächsten Gigafabrik weichen müssen, oder die Schnecken, die mir sonst die Pflanzen im Garten ruinieren, oder das Glyphosat, mit dem ich den Pilzen zuleibe rücke, um einen höheren Ertrag zu erzielen. Ganz zu schweigen von dem, was sich auf der politischen Weltbühne abspielt.
In diesen ganzen rationalen Überlegungen setzen wir den Wert des Lebens herab. Oft auch, weil wir uns nicht anders zu helfen wissen.
Aber indem wir uns über das Leben stellen, wird es immer schlimmer.
Solange wir nicht verstehen, was das Leben ist, vergeuden wir es. Es kann der Widerstand gegen die hohen Preise sein, der Ärger mit dem Lehrer wegen der schlechten Note, die Angst vor der Zukunft oder ein Rückfall in eine radikale Politik. Jedes Mal zapft der Konflikt etwas von der Liebe ab, die in uns ist. So schwächt er uns und wir müssen uns immer wieder an der ewigen Quelle Gott aufladen.
Aber es gibt einen anderen Weg.
Konflikte, Ablehnungen, Widerstände, beginnen immer im Kopf. Zuerst im Gefühl, dann im Denken, im Ausdruck der Sprache und im Verlangen und den Bedürfnissen und Grenzen.
Wir opfern diesen Konflikten unsere Lebenszeit und sorgen dafür, dass die Ruhelosigkeit im Herzen immer größer wird.
Wenn wir diese innere Unrast verhindern wollen, müssen wir dem Kopf die Herrschaft entziehen, denn solange er immer wieder neue Konflikte erschafft, wird es weder im Innen noch im Außen Frieden geben.
Das bedeutet eine radikale Umkehr, von der Art wie wir in der Welt sind.
Es bedeutet, die erfahrene Realität zu verändern, indem man die Widerstände und Konflikte aufgibt.
Der einfachste Weg dazu ist, die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gedanken nicht mehr für so wichtig zu nehmen.
Im Anfang erscheint das schwierig, weil das Gedankenmeer im Sturm des Alltags aufgewühlt ist.
Doch wenn man bei den gröbsten und stärksten Gedanken anfängt und sie beruhigt, indem man erkennt, dass sie jetzt im Moment irrelevant sind, ebbt der Gedankensturm ab und es kann Ruhe eintreten.
Selbst im absoluten Chaos gibt es diese Möglichkeit, Ruhe zu schaffen und den Kopf zu befrieden.
Diese relative Ruhe erlaubt es uns, die Gefühle des Herzens wahrzunehmen, seine Bedrückungen und Schmerzen anzuerkennen.
Auch hier wenden wir wieder den Weg an, die eigene Wahrnehmung nicht mehr für so wichtig für den Augenblick zu nehmen.
Das Herz bewahrt Erinnerungen oder Ängste auf, die es vom Verstand erhalten hat. Nehmen wir ihm diese Dinge ab und entlasten es damit, tritt Stille ein. Es kann sein, dass uns dabei tiefe Gefühle erschüttern und es uns schwer machen, die Verletzungen des Herzens loszulassen.
Aber wenn wir dabeibleiben und uns klarmachen, dass sich alles in einem Jetzt abspielt, in dem nichts davon relevant ist, werden diese Gefühle abfließen und uns nicht länger ablenken.
Ist Kopf und Herz beruhigt, Gedankenruhe und Herzensstille eingekehrt, erfahren wir Frieden in uns.
Es entsteht ein Zustand ruhiger Gelassenheit, in dem die Angelegenheiten der Welt keine Rolle mehr spielen.
Dieser Zustand hält zunächst nur kurze Zeit an, aber mit konsequenter Übung wird er immer länger.
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Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Sehnsüchte nach etwas anderem als der Erfahrung unserer Mitte - die nämlich Gedankenruhe und Herzensstille ist - aufgeben. Und zwar richtig aufgeben. Mit allen Konsequenzen.
Das klingt bedrohlicher, als es ist. Niemand kann sein ganzes Leben in seiner Mitte bleiben. Niemand hat die Kraft, für immer Gedankenruhe und Herzensstille aufrechtzuerhalten. Das gelingt immer nur für Augenblicke. Auch wenn es natürlich mit der Zeit und wachsender Übung schwieriger wird, aus diesem Zustand herauszukommen.
Aber je mehr und besser wir den Zustand der Mitte kennen, desto eher identifizieren wir in der Wahrnehmung Ereignisse, die zu Turbulenzen führen können, und können darauf reagieren, bevor diese Turbulenzen auftreten. Das bedeutet natürlich manchmal, sich nicht mehr, um die Anforderungen der Welt zu scheren und sofort zu handeln. Sich sofort hinzusetzen und die Gedanken oder Gefühle abfließen zu lassen.
Auch brauchen wir uns nicht zu fürchten, dadurch etwas zu verlieren, was uns lieb und teuer ist. Wir können uns einfach von nichts trennen, das wir lieben, und wir werden auch von nichts verlassen, das uns liebt. Doch oft wissen wir nicht genau, was das eine oder andere ist.
Es ist auch nicht so wichtig, dauernd im Zustand der Mitte, der kosmischen Liebe, zu bleiben, denn er wirkt wie ein Stein, der ins Feuer geworfen wurde. Seine Wärme wirkt noch lange, nachdem das Feuer längst erloschen ist. Die Wirkung der Mitte hält allerdings für immer an und wird mit jedem Mal intensiver, wenn wir sie erreichen.
Mit dem Zustand der Mitte, stellt sich schnell auch die Freude am Alltag wieder ein. Neue Blickwinkel eröffnen sich, vorher übersehene Lösungen werden sichtbar. Mit der Freude tritt auch das Vertrauen in den Plan ein und wir werden zuversichtlich, dass sich auch die Dinge lösen, die uns noch belasten.
Jeder Besuch in der Mitte deines Wesens verstärkt diese Wirkung.
Durch die Erfahrung der Mitte, werden wir nicht zu einem vollkommenen Menschen. Wir erfahren aber, dass wir und jeder andere, bereits ein vollendeter Mensch ist, der gar nicht vollkommener gemacht werden kann.
Wir müssen nur die Schalen der Egoismen überwinden, die uns davon abhalten, den inneren Frieden zu finden.
Wenn wir in unserem Bemühen nicht nachlassen und erkennen, dass es Wahrheit und Glück in der Welt nicht gibt, solange sie nicht in uns sind, dann entfacht sich in unserem Herzen ein Feuer nach Seligkeit, das uns als Wegweiser auf dem Weg nach Vertrauen, Frieden und Liebe dient.
Dieses Feuer brennt im Herzen und kann nicht mehr gelöscht werden.
Es treibt uns ganz automatisch in die richtige Richtung und führt uns auf den richtigen Weg zu dem, was wir brauchen:
Die Wiederentdeckung unseres eigenen Wesens in der Gemeinschaft allen Lebens.
Wenn wir uns erfüllen, dann erfüllt sich das Leben.
Wenn wir die Liebe nicht mehr verschwenden, offenbart sich eine Güte, die voller Freude aus dem Herzen fließt.
Dann kommt Frieden in unser Leben und wir schließen Frieden mit der Welt, ohne sie verändern zu wollen.
Dann kehren wir in die Stille des Herzens ein und die Welt belohnt es mit der Lösung aller Probleme.
Dann tritt wahre Dankbarkeit ein.
Eine Dankbarkeit, die man fühlt und die keinen Grund oder Anlass hat.
Die es uns erlaubt, uns zweifelsfrei in der großen Intelligenz von Alles-was-ist einzubetten und geborgen zu fühlen.
Dann wissen wir, was es heißt, nicht getrennt zu sein, und am Ende erhalten wir eine Antwort, zu der es nie Fragen gegeben hat.
Sobald, wir, die Menschen, in uns diesen Frieden erfahren, wird es Frieden auf der Welt geben. Und das ist doch sicher ein Grund, der großen Intelligenz, die uns hier zusammengeführt hat, zu danken!
Alles liebe
Hans
Ein Mann, der auf seinem Weg durch die Berge war, wurde durch die Hitze der Sonne sehr durstig. Er erreichte eine Quelle. Die aber lag tief unten in einer Schlucht, die nur sehr mühsam zu erreichen war. Doch er stieg hinunter und trank, bis sein Durst gestillt war. Dann stieg er den steilen Weg wieder hinauf, und als er oben ankam, sah er einen Hund, dem die Zunge heraushing und der versuchte, den Schlamm des letzten Regens aufzulecken, um seinen Durst zu stillen. Der Mann stieg noch einmal zur Quelle hinunter, füllte seinen Schuh mit Wasser und gab dem Hund zu trinken. Als der Hund getrunken hatte, lief er davon. Ohne Dank und ohne Lohn blieb der Mann noch einen Augenblick sitzen und spürte der stillen Freude nach, die aus seinem Inneren aufstieg.
(aus dem Arabischen)
