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Welt im Krieg - überall

Welt im Krieg

Wir leben in einer Welt, in der Krieg herrscht. Ist es da realistisch, auf Weltfrieden zu hoffen?

Als Kind habe ich die Vorstellung von "Weltfrieden" geradezu geliebt, es war ein großartiger Gedanke. Als ich dann anfing zu begreifen, erkannte ich, dass es so etwas gar nicht gibt. 

Danach habe ich nichts Wirkliches gefunden, das ich als "die Welt" hätte bezeichnen können. 

© Hans Rosegger 5/2026

Es ist also nicht die Welt, die eine Korrektur braucht, es sind die Menschen. Wir und unseresgleichen. Erst wenn wir Menschen in uns Frieden erfahren, dann wird es Frieden auf der Welt geben.

Das ist eigentlich ganz logisch, doch so schwer zu verstehen.

Momentan scheinen wir Menschen vom Krieg fasziniert. Das ist nicht abzustreiten.

Aber warum führen  Menschen Krieg?

Krieg beginnt mit Verleugnung. Eine Gruppe kommt zu dem Schluss, dass ihr Anliegen Vorrang hat und dass die anderen Gruppen nicht existieren. Die Anliegen treten in den Vordergrund, und Menschen bedeuten nichts mehr.

Menschen führen Krieg, weil sie ihren Anliegen größere Berechtigung zumessen als dem menschlichen Leben. In ihren rationalen Überlegungen setzen sie den Wert eines Menschenlebens herab. Als die Vorstellung aufkam, dass ein Anliegen wichtiger sein könnte als das menschliche Leben fiel alles aus dem Gleichgewicht, und seitdem ist es immer schlimmer geworden.

Die Menschen werden immer dann Krieg führen, wenn sie nicht verstehen, was das Leben ist. Denn

im Krieg wird Leben vergeudet. Krieg spielt sich nicht nur auf dem Schlachtfeld ab.

Auch zu Hause. Und ohne Krieg glauben wir wohl, Leben zu vergeuden. 

Viele Humanisten, Philosophen und Staatsmänner haben gesagt, dass der Krieg in den Köpfen der Menschen beginnt. Würdest du dem zustimmen?

Ein Weltkrieg kann sich harmlos ausnehmen im Vergleich zu der Schlacht, die in einem Menschen tobt. Lebenszeiten werden in dieser Schlacht zerstört, kostbare Augenblicke geopfert; es kann zu völliger Vernichtung kommen.
Der Kampf im Innern ist die größte Schlacht. Wir müssen mit uns selbst in Frieden leben, denn auf unserem eigenen Schlachtfeld vernichten wir unser "Ich".

Die innere Unrast hindert uns daran, echten Frieden zu finden. Solange im Innern kein Frieden herrscht, wird außen immer Krieg sein. Wenn der Körper keine Ruhe findet, ist das sicher quälend, aber weit schlimmer ist die Qual, die aus der Ruhelosigkeit des Herzens kommt.

Sie ist das Schlimmste, was es gibt. Und doch erträgt das Herz dieses Elend schon seit langer, langer Zeit.

Wie kommt es, dass wir, jeder Einzelne, den Frieden verliert?

 

 

Jedem von uns folgt auf Schritt und Tritt ein unsichtbarer Dieb. Was tut dieser Dieb? Er raubt uns aus.

Keine Tür, kein Schloss, keine Alarmanlage kann ihn aufhalten. Dieser Dieb stiehlt weder Geld noch

Kleidung. Er raubt uns das Wertvollste, was wir haben. Er raubt uns die Freude, den Frieden, die

Zufriedenheit. Er raubt uns das Verständnis. Er beraubt uns all dessen, was wichtiger ist als alles

andere.

Der Frieden kommt später

Wenn wir sagen: „Ich will Frieden in meinem Leben, aber … ich werde mich später darum kümmern“,

dann öffnen wir diesem unsichtbaren Dieb Tür und Tor. Das ist sein Signal. Er muss nur hören:

"Nicht jetzt", und der Dieb weiß: „Hier ist jemand, den ich ausrauben kann, weil er das Kostbarste, was er hat, nicht schützt. Er vergeudet es. Er wirft es weg.“ Und im selben Moment raubt er uns, was für uns das Wichtigste ist.

Hat jeder den angeborenen Wunsch, Frieden zu suchen und zu erfahren?

Jeder trägt etwas in sich, das sich nach Frieden sehnt. Im absoluten Chaos gibt es eine Sehnsucht nach Frieden. Im Misstrauen gibt es eine Sehnsucht nach Vertrauen. 

Wenn wir leiden, sucht etwas in uns nach einem Hoffnungsschimmer, nach Linderung.

Ein Mensch muss lieben  und Liebe spüren. Die Frage ist nur: Was wird die Quelle dieser Liebe sein? 

 

Der Mensch muss vertrauen. 

Aber was wird die Quelle dieses Vertrauens sein? 

Worauf kann man vertrauen? Was ist vertrauenswürdig und bietet die Hilfe, die man in seinem Leben braucht?

Genauso wenig besteht ein Zweifel daran, dass der Mensch Frieden braucht. Daran ist tatsächlich

nichts zu ändern. Es ist ein Durst, der allen Menschen angeboren ist. 

Was wird die Quelle dieses Friedens sein - wie kann man den Frieden verstehen lernen?

Frieden braucht man nicht im Kopf, Frieden man braucht ihn im Herzen. Verstand und Intellekt können den Frieden nicht erfassen. Sie haben eine andere Aufgabe.

Freude, Frieden und wahres Glück sind keine Sache des Denkens. Sie können nur gefühlt werden. Am Leben zu sein, birgt ein Gefühl. Es gibt keine Erklärung dafür. Man muss dahin kommen, dass man es fühlt – denn dort ist Trost, dort ist Freude, dort ist Zufriedenheit.

In diesem Fühlen müssen wir leben.

Wir meinen, eine Erklärung dafür zu brauchen, was Frieden ist. Doch Frieden kann man nicht erklären, man kann ihn nur fühlen. Erfüllung ist etwas, das man fühlen muss . Wenn wir erfüllt sind, sagt etwas in uns: "Ja, ich bin erfüllt."
Einem Durstigen werden auch tausend Bilder von anderen, die Wasser trinken, nichts nützen.

Er muss selbst Wasser trinken.

Wo kann man Frieden finden?

Er liegt in jedem Einzelnen. Und es ist an jedem Einzelnen zu sagen: "Ich will Frieden in meinem Leben."
Die Gesellschaft hat keinen Frieden. Die Gesellschaft gibt es nicht. Regierungen gibt es nicht.

Es gibt nur Menschen.

Frieden ist etwas Einfaches. Jeder Einzelne kann ihn fühlen.
Wenn wir vergessen, was es heißt, in Frieden zu leben, und zu Patentrezepten greifen, um Frieden

herbeizuführen, dann haben wir ein Problem.

Denn ich spreche über Frieden im Innern – meinen Frieden –, nicht den äußeren Frieden.
Viele Menschen glauben, Frieden werde sich einstellen, wenn sie jedes Detail in ihrem Leben unter Kontrolle haben.

Doch dazu wird es nicht kommen. Das steht nicht in ihrer Macht. Niemand ist in der Lage, alles zu verstehen und zu beherrschen. Ich kann nur eins tun: mich selbst verstehen.

Suche deinen Frieden im Innern. Selbst wenn alle anderen Kriege enden — solange der Krieg in uns weitertobt, werden wir nicht in Frieden leben. Erst wenn wir in Frieden mit uns selbst leben, dann haben wir Frieden - selbst wenn wir mitten im Krieg sind.

Es gibt ein Lächeln, das durch nichts getrübt werden kann. Dieses Lächeln kommt aus einer solchen Tiefe des Friedens,  dass nichts in der Welt es rauben kann. Dieses Lächeln kann jeder von uns lächeln. Der Frieden, der dort im Herzen wohnt, ist der einzige Frieden - und der genügt.

 

Ist innerer Frieden in einer Welt möglich, in der Krieg herrscht?

In unserem Innern spielt eine Symphonie. Wir können uns dieser Möglichkeit bewusst werden. Denn genau das ist es: eine Möglichkeit. Es ist möglich, erfüllt zu sein, inneren Frieden zu erfahren. Es ist möglich, den Wert jedes Atemzugs zu verstehen, die Sehnsucht nach Leben ernst zu nehmen. Es ist möglich, Schmerz in Dankbarkeit zu verwandeln und Zweifel in Wissen. Es ist möglich, alle Fragen mit einer einzigen Antwort zu beantworten.
Was für eine Antwort? 

Es ist die eine Antwort, zu der es keine Frage gibt.

Was können wir tun, damit Frieden in unserem Leben wahr wird?

Den inneren Frieden enthüllen

Inneren Frieden kann man nicht herstellen oder erfinden. Es geht darum, den Frieden zu enthüllen, der schon da ist. Dabei geht es eher darum, etwas wegzulassen, als etwas zu erschaffen. Man lässt alles andere weg, und der Frieden kommt zum Vorschein, weil er schon immer da ist. In uns allen. 

Wann stellt sich Freude ein? 

Wenn wir aufhören, all die anderen Dinge zu tun, fühlen wir Freude, denn Freude ist unser natürlicher Zustand.

Frieden und Freude sind von Natur aus in uns, und wenn wir versuchen, sie herbeizuführen, entfernen wir uns nur davon.

Inneren Frieden ohne einen Katalysator zu finden – das ist der Weg.

Einfach sich selbst zu finden – ist das Geheimnis.
Viele erwarten, dass sie ein vollkommener Mensch werden, wenn sie nur ihren Frieden finden. Dem ist bestimmt nicht so. Jeder von uns ist schon ein vollendeter Mensch. Wir könnten gar nicht vollendeter sein.

Es gibt nichts, was einen Menschen verbessern würde. In Menschen, die völlig aus der Fassung waren, habe ich Frieden gesehen. In den hasserfülltesten Menschen habe ich Liebe gesehen. Wenn wir an diesem Punkt der echten Zufriedenheit sind, dann ist Frieden da, dann ist Freude da. 

Das muss man akzeptieren. Wir müssen einsehen, dass es Hoffnung gibt und das Leben einen tieferen Sinn hat als all die Banalitäten, von denen wir uns fangen lassen. Die Erfüllung unserer Bedürfnisse, die wir unser Leben lang gespürt haben, lag schon immer in unserem Innern. Wenn wir Frieden suchen, müssen wir im Innern danach suchen.

Und genau dazu muss man sich nach innen wenden und dort Frieden finden können. Ohne diesen Bezug wären meine Worte, nur eine Philosophie. Es wären viele schöne Worte – ja sicher – aber ohne Bedeutung.

Doch Worte sind nicht genug. Inneren Frieden muss man konkret und praktisch zu erfahren.  

 

Dieser Weg wird kein leichter sein

Dieser Weg ist eine Gelegenheit, ein Geschenk, das man weder kaufen noch verkaufen kann. Aber man bekommt ihn geschenkt, wenn man bei der Sache bleibt.

Wenn du also Frieden im Herzen willst, wenn du Freude in deinem Herzen willst, dann wende dich nach innen, um die Verbindung zu dir herzustellen und zu fühlen. Dann entwickelst du mit der Zeit die Gabe, Ruhe, Frieden und Freude zu erfahren. 

Hier versagen dann ganz automatisch die Worte, die diesen Zustand beschreiben könnten, und daran spürst du, dass du auf dem richtigen Weg bist. Es ist gleichgültig, wie du es nennen würdest. Weder du noch irgendjemand anderes könnte es einordnen und in Worte fassen. Und es ist auch nicht nötig, denn jeder Mensch hat die Gabe, diesen Frieden selbst zu fühlen.

Wenn ein Mensch wirklich erkennt, dass Wahrheit und Glück in seinem Leben fehlen, dass Frieden fehlt, dann beginnt er unruhig zu werden. Es entzündet sich in seinem Innern ein Feuer: das Licht der Suche nach Frieden. Es brennt in seinem Herzen, und wenn er sich nicht auf die Suche macht, wird es ihn buchstäblich verbrennen. Die Kraft wendet sich gegen ihn selbst und er wird sein Leben in Leid, Krankheit und Siechtum verbringen.

Diese Kraft im Herzen treibt uns in die richtige Richtung. Wir brauchen sie zur Wiederentdeckung unserer Lebensfreude und der Leidenschaft. 

Wenn sich jeder Augenblick im  Leben erfüllt anfühlt, wenn der Atem frei und einfach fließt, wenn die Gedanken sich nicht an die Vergangenheit verschwenden, offenbart sich die Güte des Herzens.

Sie kann nur aus einem vollen Herzen hervorströmen.

Einem Herzen, das überquillt vor Freude.

Und so zieht  Frieden in unser Leben ein. Dann finden wir die Lösungen für unsere Probleme. Nicht in dem Sinne, dass unsere Probleme in der Welt einfach verschwinden, aber sie fallen in sich zusammen und wir finden in unserem Inneren eine Einfachheit voller Glanz, die es uns ermöglicht, die Welt anzunehmen, wie sie ist.

 

alles liebe
Hans