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Ich bin, dass ich bin!

Ich bin, dass ich bin!

Ich kann nur für mich selbst sprechen, denn jeder geht allein durch das Tor zurück in die Heimat.  Das Besondere daran ist: Offensichtlich kommt keiner mehr zurück, um zu berichten wie es dort ist, in der Heimat. Wenn ich aber für mich selbst spreche, dann kann ich nur berichten, was ich selbst auf diesem letzten Weg erfahren habe.

Ich weiß, ich habe es niemandem erzählt. Warum auch, denn es ist ja meine Selbsterfahrung und die ist eben von einer Natur, von der ich annehme, dass sie kaum jemand attraktiv finden wird. Wenn ich also jetzt darüber etwas schreibe, dann nicht ohne die Erinnerung daran, dass mich ähnliche Äußerungen schon öfter auf den Scheiterhaufen brachten. 

Ich schreibe jetzt über meine eigene Erfahrung und Zack! Da geht es dann schon los. Eigene Erfahrung setzt etwas voraus: Ein Selbst, ein Ego oder irgendetwas identifizierbar persönliches. Das ist aber schon das große Problem an der Sache. Wir sind so sehr daran gewöhnt diese Persönlichkeit zu haben, daran zu feilen und zu polieren, damit wir uns "selbst" gefallen, dass es uns gar nicht mehr in den Sinn kommt, dass es eine Existenz ohne ein "Selbst" überhaupt geben könnte. Ich meine damit, dass es sie hier nicht geben kann, auf der Erde, denn hier ist das nicht möglich. Warum? Weil es hier für uns nur ein Bewusstsein gibt: Das duale menschliche Bewusstsein. Geschaffen vom unendlichen Geist. 

Und wir haben das vergessen. Ganz einfach vergessen. Wann wir das vergessen haben? Vor Äonen! Wir haben uns soweit von unserer wahren Natur entfernt, dass wir es nur noch mit Mühe und nur in kleiner Anzahl schaffen, in unsere Geistnatur zurückzufinden. Selbste und Seelen und Strukturen und Netzwerke geistiger Strömungen halten uns davon ab, tatsächlich und wirklich wieder zu dem zu werden, was wir sind: Geist!

Ich habe das auch vergessen. Sicher. Aber wie konnte ich das vergessen?

Was passiert, wenn wir sterben? Der Körper sendet ein Signal an seine Zellen und die beenden einer nach der anderen ihren Stoffwechsel. Doch die Neuronen im Gehirn feuern weiter. Unbeeindruckt vom Geschehen im restlichen Körper. Die kleinen Blitz strahlen wie ein Feuerwerk im Inneren. Ich habe weder Angst noch Verzweiflung gespürt in all dem Licht. Nichts davon. Nichts. Weil ich in diesem Moment viel zu beschäftigt bin. Die Erinnerungen prasseln nur so auf mich ein. Und natürlich erinnere ich mich auch daran, dass alle Materie aus die der Körper besteht, in einem Stern gebacken wurde. Dann trifft die Erkenntnis mit Wucht ein, dass diese Materie, dieser Körper, letztendlich nur leerer Raum ist. Was ich alles so als feste Materie erlebt habe, ist einfach nur fließende, ganz langsam vibrierende Energie. Das, was denkt und sich erinnert, ist aber weder diese Materie noch die Energie. Gar nichts davon. Gar-Nichts! Es dauert eine Mikrosekunde oder Jahrmilliarden und dann verschwindet die Körperwahrnehmung, die Wahrnehmung von Materie und Energie. Es gibt kein ich. Keine Person. Keine Individualität. Alles nur Illusion. Ein langsam dahinfließendes Etwas, dass sich auflöst. Etwas anderes gab es nie! Die Elektronen meines Körpers verteilen sich und tanzen mit den Elektronen der Luft und des Bodens. Ein letzter Versuch diese Elektronen einzusammeln, wieder zu verdichten, doch es gibt keinen Kontakt mehr zur Materie. Ein Boden unter mir, auf dem ich nicht mehr stehe. Luft, die ich nicht mehr atme. Da ist keine Berührung mehr. Es gibt keinen Ort mehr, wo ich anfange oder ende.

Alles wird dieses "ich". Alles denkt mich. Ich denke alles. Alles Endet im Anfang. Welchen Sinn ergibt das noch? Ich erinnere mich: Ich bin nicht mein Gedächtnis. Wer ist dieser Mensch, dessen Name mir so geläufig ist. Dessen Persönlichkeit ich zu kennen meinte. Werde ich wach? Ist dies ein Traum? Nein, es sind meine Entscheidungen. Entscheidungen aufgetürmt und verwoben in ein ewiges Tuch von Erinnerungsfäden. Doch sie entstanden alle nach mir! Ich war vor ihnen und ich werde nach ihnen sein. Es sind Bilder, die auf dem Weg entstanden sind. Vergängliche kurze Träume, die das Gewebe meines absterbenden Hirns ausmachen. Das Helle dazwischen denkt. Blitze zucken, verbinden entfernte Gedanken. Ich bin die Energie, die die Neuronen feuern lässt. Es kehrt zurück. Es kennt den Weg. Es erinnert sich und fällt wie ein Wassertropfen ins Meer zurück, von dem es immer ein Teil war. 

 

Alle Dinge sind ein Teil. Jeder von uns ist hier und jetzt ein Teil. Ein "Hier und Jetzt Teil" eines unteilbaren Kontinuums des Geistes. Du bist der Teil, der jetzt liest und ich der Teil der einst schrieb. Du, deine Eltern und deren Eltern, Geschwister, Verwandte, Kinder. Eine einzige ungeteilte Einheit. Alle, die jemals existierten, jedes Quantum, jedes Atom, jedes Molekül, jede Zelle, jede Pflanze, jedes Tier, jeder Stern und jede Galaxie ist das Kontinuum des Geistes, das du und ich hier sind. Alles. Doch dort gibt es keinen Unterschied zwischen dir und mir, zwischen dem Himmel und der Hölle, zwischen gestern, heute und morgen. Sein Wille geschieht und sonst nichts. Dein Wille geschieht und sonst nichts. 

Das meinen wir mit dem Wort "Gott". Dieses Unbeschreibbare. Diese Essenz des Lebens, die sich unbeeindruckt in uns ausdehnt oder zusammenzieht. Dieser eine Kosmos und seine endlosen Träume. Du und ich sind der Kosmos, der sich selbst träumt. Es ist einfach ein Traum, den wir für unser Leben halten. Und doch, jedes Mal vergessen wir es wieder. Einfach so, wie wir immer unsere Träume vergessen. Im Bruchteil einer Sekunde. Im Lidaufschlag. Dein Wille geschieht. Hier und jetzt. Lebe danach! In diesem Moment, wo du dich erinnerst, in dem Augenblick, in dem du verstehst, erkennst du alles zugleich. Ist alles zugleich, doch dich, ich, gibt  es nicht. Es gibt keine Zeit. Es gibt keinen Tod. Das Leben ist ein Wunsch, der wieder und wieder, unendlich oft gewünscht wird. Und du meine Liebe, mein Lieber, bist alles davon. So wie ich. Weil wir das "Geist" sind. Das Alles. Das "Ich bin, dass ich bin"!

 

alles liebe

Hans